Geschichte der Kräuterheilkunde

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    kräuterkommune.de Foren-Übersicht -> Kräuterfragen, Tips und Literatur
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Prechta
NaturfreundIn
NaturfreundIn



Anmeldedatum: 22.08.2006
Beiträge: 84
Wohnort: Bremen

BeitragVerfasst am: 19 Jan 2007 14:33    Titel: Antworten mit Zitat

So, jetzt ist es geschafft. Ich bin endlich fertig mit dem Studium. Am Dienstag war die letzte Prüfung. Muss aber auch gestehen, dass es total merkwürdig ist, da ich jetzt ga ich noch gar nicht kapiert habe, dass es vorbei ist.

Ich hatte ja schon angeboten einige Auszüge hier ins Forum zu stellen. Fange einfach mal mit dem ersten Kapitel an. Ganz schlicht zur Geschichte der Kräuter. Wahrscheinlich nichts neues für euch. Falls die Auszüge lieber in einem anderen Forumsbereich sollen, dann verschiebt es bitte:-)


1. Geschichte der Kräuter
Die Geschichte der Kräuter spielt eine wichtige Rolle, wenn man ihre Bedeutung für die Menschheit verstehen möchte.
Seit Urzeiten waren Menschen auf Pflanzen angewiesen. Zur Zeit der Jäger und Sammler waren es hauptsächlich die Frauen, die sich mit den Pflanzen auseinandersetzen mussten. Im Vordergrund stehen da die Nahrungspflanzen, die für das tägliche Überleben sorgten. Ebenfalls bekannt ist die jahrtausendlange Bemühung darum, Kräuter zum Heilen anzuwenden. Viele historische Quellen von der Antike bis in die Neuzeit bezeugen, dass die Heilkunde eine große Bedeutung für alle Kulturen der Welt hatte. Bereits auf Tontafeln, Papyri, Wandmalereien, Skizzen und in schriftlichen Dokumenten finden sich Aufzeichnungen über Krankheiten, ihre Ursachen und deren Heilmittel wieder.

1. 1. Antike
Der Codex Hammurabi (ca. 1700 v. Chr.) aus Mesopotamien umfasst eine beachtliche Sammlung Richtlinien über die Ausübung von der Heilkunde. Der Codex Hammurabi war eine Sammlung bedeutender Rechtstexte, die das Miteinander regeln sollten.
In Mesopotamien waren es die Priester, die innerhalb ihrer Ausbildung die Heilkunde erlernten. Die Bibliothek von Assurbanipal weist mehr als 20.000 Tontafeln auf, die über die Gesellschaft der Mesopotamier und ihre Medizin Auskunft geben.
Die in Keilschrift verfassten Tontafeln wurden in den Ruinen von Babylon, Mari und Ninive in großer Anzahl gefunden. Sie geben Auskunft über Pflanzen, Tiere, medizinische Werkzeuge, Krankheiten, Symptome und Behandlungsformen. Viele Pflanzen, Tiersubstanzen und Mineralien wurden für Heilungszwecke genutzt. Tiersubstanzen haben die mesopotamischen Priester für Krankheitsdiagnosen benutzt. Sie betrachteten die Leber eines toten Tieres, um Auskunft über die Erkrankung des Menschen heraus zu finden.
Man muss davon ausgehen, dass die Mesopotamier glaubten, eine Krankheit ginge von Dämonen aus. Die Priester verwendeten also nicht nur Kräuter, um zuheilen, sondern setzten gezielt religiöse Rituale ein.
Eine Reihe Papyri sind uns aus dem alten Ägypten bekannt, auf denen Anweisungen zur Kräuterheilkunde zu finden sind. Das bekannteste Papyri stellt das „Papyrus Ebers“ dar, in dem allgemein medizinische Therapien, mechanische und pharmakologische Behandlungsmaßnahmen sowie Zaubersprüche enthalten sind. Es ist 20 Meter lang, umfasst 2300 Zeilen und wurde 1872 von Georg Ebers entdeckt.
Auch bei den Ägyptern wurde immer im Zusammenhang mit religiös- magischen Handlungen geheilt. Die Papyri geben zusätzlich noch Auskunft darüber, dass diese Rituale unter Anwendung von Kräutern durchgeführt wurden. Ärzte waren die einzigen, die im Alten Ägypten heilkundig waren. Sie arbeiteten in Tempeln, Verwaltungen und Kasernen.
Die Griechen und Römer profitierten vom Heilwissen der Ägypter. Sie nahmen viele Pflanzen in ihren Herbarien auf.
„Corpus hipocraticum“, eine Schriftsammlung, die angeblich vom griechischen Arzt Hippokrates (460-378 v. Chr.) verfasst wurde, enthält eine Beschreibung von mehr als 200 Heilpflanzen, die allerdings botanisch nicht bestimmbar sind. Hippokrates gehörte einer Familie an, die seit Generationen den Ärzteberuf ausübte. Die Schriftensammlung wurde von vielen unbekannten Autoren verfasst, nicht von Hippokrates alleine. Das erste Herbarium mit Pflanzenzeichnungen schuf Krateuas um 75 v, Chr. Seine Pflanzenbilder sind das Ergebnis eines unmittelbaren Naturstudiums.
Das berühmteste Werk der Antike ist die Arzneimittellehre des griechischen Arztes Pedanios Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) Er verfasste ein Herbarium über etwa 600 Heilpflanzen. Die Arzneimittellehre des Dioskurides war bis in die frühe Neuzeit ein äußerst angesehenes Werk; es galt bis in die Renaissance als Grundlagenwerk und wurde 1610 gedruckt.
Bei den Römern beschrieb Caius Plinius Secundus in seiner Naturgeschichte (Naturalis historia) etwa 1000 Heilpflanzen. Plinius berichtete auch über die Pflanzenheilkunde und den Pflanzenzauber der Kelten.
Von den Germanen gibt es nur wenige schriftliche Überlieferungen. Aber natürlich kannten auch sie sich mit der Pflanzenheilkunde aus, die vor allem von Frauen betrieben wurde. Hinweise hierzu finden wir z. B. in der Edda.

1. 2. Mittelalter
Karl der Große soll 812 eine Reichsverordnung (Capitulare de villis) erlassen haben, die vorschrieb, dass 90 Pflanzen, darunter auch viele Heilpflanzen, in den Gärten der kaiserlichen Hofgüter gepflanzt werden sollten. Da Karl der Große viele Reisen durch sein Land unternahm, sollte die Versorgung der Herrschaft gewährleistet sein. Diese Pflanzenauswahl beeinflusste auch die Gestaltung der Klostergärten. Die Klostermedizin gründete sich auf schriftliche Überlieferungen aus der Antike und auf germanisch-keltischem Heilwissen. Klostermedizin wurde hauptsächlich von den Benediktinern praktiziert, wie auch von der Benediktineräbtissin Hildegard von Bingen (1098- 1799). Sie verfasste heil- und naturkundliche Abhandlungen in lateinischer und deutscher Sprache. Zu ihren berühmtesten Werken gehören die „Causae et curare“ und „Physica“, die in Anlehnung auf schriftliche Traditionen, Volksüberlieferung und eigenen Erfahrungen beruhen.
Der Naturforscher und Alchemist Theophrastus Bombastus von Hohenheim (Paracelsus) widmete sich besonders der Signaturlehre (ars signatum): „Grundlage dafür ist, daß der Schöpfer die Welt für sein menschliches Ebenbild ins Leben gerufen habe und daß er mit den Pflanzen der Erde gewissermaßen auch die Gebrauchsanweisung mitlieferte.“ Ähnlichkeiten bestimmter Pflanzen (Wurzel, Blüten, Blätter) mit menschlichen Organen, waren - laut Signaturlehre - hilfreich und heilend. Auch die Farbe der Pflanzen konnte etwas über die heilende Wirkung aussagen, wie z. B. gelb bei Gelbsucht. In seinen Schriften stützte sich Paracelsus auf die antiken Überlieferungen und Volkswissen. Seine Vorstellungen sind stark in die Volksmedizin eingegangen.

1. 3. Pflanzenbücher im 16. Jahrhundert
Mit der Erfindung des Buchdruckes konnten - in relativ rascher Folge - die antiken Überlieferungen in Bücher gedruckt werden. Es sind aber auch neue Kräuterbücher entstanden, die antike Überlieferungen mit Beobachtungen der heimischen Pflanzenwelt und Volkswissen, zu neuen Erfahrungen führten. Zu den berühmtesten Schriftstellern der „Neuen Pflanzenbücher“ zählen: Otto Brunfels, Hieronymus Bock und Leonhart Fuchs. Das „Kreutterbuch“ des Hieronymus Bock (1498-1554) ist mit 500 Bildern besonders reich ausgestattet. Die Beschreibung der einzelnen Pflanzen, basieren zum größten Teil auf eigene Beobachtungen, die sehr detailgetreu sind.
Der Tübinger Medizinprofessor, Leonhart Fuchs (1501-1566), veröffentlichte 1543 sein Werk „New Kreüterbuch“ , welches sich durch seine naturgetreuen Abbildungen auszeichnet, da er die Künstler, die für ihn die Pflanzen zeichneten, persönlich überwachte. Er beeinflusste mit seinen Werken und den Abbildungen von Pflanzen auch die späteren botanischen Werke.

1. 4. Die Folgen
Die traditionelle Pflanzenheilkunde lebte in den folgenden Jahrhunderten weiter fort, auch wenn sich rationale und traditionelle Pflanzenheilkunde immer mehr voneinander trennten. Die Schulmedizin befasste sich mehr damit, die Pflanzenwirkstoffe zu analysieren, was im 19. und 20. Jahrhundert dazu führte, dass synthetische Medikamente entwickelt werden konnten (siehe Kapitel Phytotherapie). Die Volksmedizin hielt allerdings an alten Bräuchen bis weit ins 20. Jahrhundert fest und bleibt dank Autoren, wie Heinrich Marzell , dem an Volkskunde und Volksmedizin interessierten Leser erhalten.

Eigentlich enthält der Text Fußnoten, ich werde meine Literaturliste einfach mal extra posten. Ist vielleicht ja noch etwas interessantes für euch dabei.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden MSN Messenger
Merin
ModeratorIn
ModeratorIn



Anmeldedatum: 23.05.2006
Beiträge: 3950
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 22 Jan 2007 15:44    Titel: Antworten mit Zitat

So ist verschoben. Hier der Hinweis auf den Thread zur gesamten Examensarbeit: https://www.xn--kruterkommune-cfb.de/viewtopic.php?p=2811#2811

Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, wenn ich hier Kritikpunkte poste. Ich finde den Text insgesamt sher spannend. Er enthält eine Menge mir vorher unbekannten Wissens. Trotzdem gibt es ein Wissen, das immer und immer wieder wiedergekäut wird, ohne dass es wirklich bewiesen ist. Ich halte es für Quatsch und bin da allergisch, nämlich wenn es um die Jäger und Sammler geht. (Das hatten wir hier im Forum schon mehrfach glaub ich.) Die Idee von zu Hause sitzenden und Pflanzen sammelnden Frauen und ständig auf der Jagd seienden Männern ist nicht nur nicht belegt, sondern im Gegenteil: Sie kann als großenteils wiederlegt gelten. Es gibt mehr Anzeichen darauf, dass die Urmenschen sich großenteils vegetarisch ernährt und alle gesammelt haben. Die Idee einer derart großen Geschlechterdivergenz und eines alltäglichen Fleischkonsums ist eine Übertragung des jetzigen westlichen Lebensstils auf Urmenschen, die ich für nicht zulässig halte.

Mich würde auch interessieren, wer Marzell war, den Namen habe ich noch nie gehört. Welche Werke haben wir diesem Menschen zu verdanken?

Und: Wie lief denn die Heilung mit Pflanzen? Gingen die Leute zu den Klosterbrüdern oder heilten die im wesentlichen sich selbst (also beide: sowohl die Normalmenschen sich als auch die Brüder sich). Bauten nur Mönche Pflanzen an oder auch Nonnen? Gehörte nicht vielleicht in jeden Bauerngarten eine kleine Heilabteilung?
_________________
Du siehst Dinge und fragst: Warum?
Doch ich träume von Dingen und sage: Warum nicht?
George Bernhard Shaw
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
JolandaRingelblume
ModeratorIn
ModeratorIn



Anmeldedatum: 21.06.2006
Beiträge: 907
Wohnort: Oberbayern

BeitragVerfasst am: 22 Jan 2007 16:39    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Prechta,

vielen Dank zuerst einmal, daß Du Teile Deiner Arbeit hier veröffentlichst bzw. uns an dem, was Du zusammengetragen hast, teilhaben läßt. Ich finde es a) gut, wenn sich in der Wissenschaft der open-source-Gedanke mehr und mehr durchsetzen würde und b) immer wieder angenehm so knapp und übersichtlich informiert zu werden. Ich weiß, daß dazu oft einiges an Büchern vom Verfasser gelesen wurde und man die Sachen so kompakt nie wieder zusammenkriegt.

Dabei habe aber auch ich eine Bitte. Hast Du eine Literaturliste oder zumindest Literaturhinweise aus deinen Fußnoten? Könntest Du Sie auch dazu posten.

Anmerken mag ich auch etwas zum Mittelalter. Soweit ich weiß, war die mittelatlerliche Literatur um einiges reichhaltiger. Ich kenne die Zahl der Kräuterkunden allerdings nicht. Z.B. vermisse ich aber die überall bekannte und (vielleicht auch etwas zu sehr gehypte) Hildegard von Bingen. Wie bist Du da auf Deine Auswahl gekommen?

Hm... Vielleicht suche ich da auch mal ein paar Sachen zusammen. (Bin ja sozusagen vom Fach, auch wenn ich so speziell noch nix dazu gemacht habe.)

@Merin.
Ich finde Deine Kritik etwas zu harsch. Sicherlich kann jeder Dir zustimmen, daß Männer und Frauen die Sammel- und Jagdarbeit (teilweise) gemeinsam verrichtet haben. (Zu dem teilweise haben wir ja schon einen Thread, müssen wir also hier nicht aufrollen ) Aber woher nimmst Du folgendes:

Zitat:
Es gibt mehr Anzeichen darauf, dass die Urmenschen sich großenteils vegetarisch ernährt und alle gesammelt haben. Die Idee einer derart großen Geschlechterdivergenz und eines alltäglichen Fleischkonsums ist eine Übertragung des jetzigen westlichen Lebensstils auf Urmenschen, die ich für nicht zulässig halte.


Du wirst hierbei sehr populistisch. Welche Anzeichen sind das denn? Ich weiß nur, daß zu den meisten steinzeitlichen Siedlungsfunden sowohl Knochen als auch Pflanzenreste (so denn erhalten) gefunden wurden. Es können teilweise Diagramme erstellt werden, die sogar den Anteil bestimmen, wieviel wovon in der Siedlung gefunden wurde. Und du kannst dabei davon ausgehen, daß die Archäologen durchaus in Betracht ziehen, daß Knochen länger halten als Pflanzenreste. Deine These vom überwiegend vegetarischen "Urmenschen" ist also ähnlich unhaltbar. Ich persönlich denke, daß es hier (neben den extremen Naturräumen, wo teilweise nur Tier konsumiert wurde oder nur Pflanzen) wiedermal eine Mittelwegs-Geschichte ist. Natürlich wurde Fleisch nicht jeden Tag konsumiert, aber es war anscheinend auch nicht so knapp wie z.B. für die arme Bevölkerung im Mittelalter.

Desweiteren mag ich schonmal eine kleine Antwort auf deine Frage wagen, auch wenn ich nicht Prechta bin:
Für die Heilung im Mittelalter waren vor allem der Medicus, die Hebamme, der Baader und der Scharfrichter zuständig. Bauern, Handwerker und sonstiges Volk hatte wahrscheinlich eher weniger medizinische Kenntnisse jenseits dessen, was eben sowieso überliefert wurde (so wie wir ja heute auch nicht zum Arzt gehen, wenn wir uns ein Pflaster aufkleben wollen). Klöster hatten oft Mitglieder, die sich in der Heilkunde auskannten, weil sie diejenigen waren, die der Literatur habhaft und mächtig waren. Bis auf den Medicus/Arzt haben alle anderen Heilberufe wohl eher mündliche Unterweisungen und praktische Erfahrungen als Hintergrundwissen erhalten.

lg
Jol
_________________
Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun!
Moliére
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Merin
ModeratorIn
ModeratorIn



Anmeldedatum: 23.05.2006
Beiträge: 3950
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 22 Jan 2007 17:58    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Du wirst hierbei sehr populistisch. Welche Anzeichen sind das denn? Ich weiß nur, daß zu den meisten steinzeitlichen Siedlungsfunden sowohl Knochen als auch Pflanzenreste (so denn erhalten) gefunden wurden. Es können teilweise Diagramme erstellt werden, die sogar den Anteil bestimmen, wieviel wovon in der Siedlung gefunden wurde.


Nun ich bin weder Historikerin noch Archäologin und mein Wissen beziehe ich aus Diskussionen und Artikeln, deren Quellen mir oft nicht langfristig im Gedächtnis bleiben. Was mir im Gedächtnis bleibt ist, dass oft von jetzt lebenden Menschen (sogenannten "Naturvölkern") daraus geschlossen wurde, wie unsere Vorfahren lebten, und dass ich das nicht zulässig finde habe ich woanders ja schon begründet.

Außerdem habe ich mich ein bissel mit Höhlenmalereien beschäftigt (wirklich nur ein bissel) und finde, dass die Interpretation, dort seien Jagdszenen dargestellt, für mich oft nach Fotos der Malereien nicht nachvollziehbar ist. Die These, dass zumindest einige unserer Vorfahren überwiegend vegetarisch gelebt haben, habe ich an verschiedenen Stellen gelesen, die ich leider alle nicht mehr erinnere. (Auch heute ernähren sich ja bei weitem nicht alle Menschen gleich.)

Und: Woher weiß ich, dass Knochenfunde in Siedlungen darauf hindeuten, dass die Tiere verzehrt wurden? Mir ist da die Vorgehensweise gar nicht klar... wie man von Funden auf Ernährungsweise und Nahrungszubereitung schließt.

Letztlich will ich noch drauf hinweisen, dass meine Meinung eine Laienmeinung ist. Ich hab mir so meien Gedanken gemacht. Ob die stimmen oder für Profis nachvollziehbar sind ist eine andere (wenn auch sehr interessante) Frage.
_________________
Du siehst Dinge und fragst: Warum?
Doch ich träume von Dingen und sage: Warum nicht?
George Bernhard Shaw
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
JolandaRingelblume
ModeratorIn
ModeratorIn



Anmeldedatum: 21.06.2006
Beiträge: 907
Wohnort: Oberbayern

BeitragVerfasst am: 23 Jan 2007 16:35    Titel: Antworten mit Zitat

Merin.

Das "populistisch" war nicht auf dein "Laientum" gezielt, sondern auf die Art und Weise, wie Du geschrieben hast, daß es ja neuerdings allgemeiner bekannt sei. Derartige Forumlierungen tun so, als wäre alles schon bewiesen.

Vergleiche mit modernen indigenen Kulturen, sogenannte Ethnoarchäologie brauchte ich bisher gar nicht heranziehen. Diese wird im übrigen sehr kritisch betrieben. Das heißt, Ethnoarchäologen sind sich durchaus bewußt, daß ihre Interpretationsweise nur ein von vielen Möglichkeiten ist.

Und natürlich kann die relativ große Anzahl an tierischen Knochenfunden, in denen z.T. Messerspuren erkennbar sind auch aus anderen Gründen an ihren Ort gekommen sein.

Ich gehe jedoch von der naheliegendsten Lösung für dieses Phänomen aus und denke, daß der Mensch - so er Hunger hat - alles zu sich nimmt, was er vorgesetzt bekommt und nur wenig verschmäht. Und daß er das tut, sagt mir auch, daß ICH als rezente Lebensform in der Lage bin, tierisches Eiweiß zu verdauen, ja sogar spezielle Enzyme (im übrigen besonders über den nicht gar so nutzlosen Pankreas alias Blinddarm) bilden kann. Wie gesagt, daß dies nicht überall in gleichem Umfang geschah, darin bin ich mit Dir einer Meinung.

Und sicher gibt es wunderbare Tierzeichnungen in Höhlen, die nur Tiere zeigen und dem Künstler durchaus eine tiefere Bindung als das Essen zugestehen sollten.

Aber es gibt auch Felsbilder, die ich teilweise mit eigenen Augen gesehen habe, welche sehr eindeutige Jagdszenen zeigen (z.B. Menschen, die mit spitzen Stäben hinter Tieren herlaufen). Waffenfunde sind auch bekannt (Pfeilspitzen, Harpunen mit Widerhaken etc.) Ich persönlich hoffe, daß Mensch diese dann doch eher zur Jagd als zur Kriegsführung benutzte.



lg
Jol

P.S. Ich belege das sehr gern auch mit Literatur, wenn ich wieder an meine Bücher herankomme, was leider im Moment nicht der Fall ist. Confused
_________________
Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun!
Moliére
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Prechta
NaturfreundIn
NaturfreundIn



Anmeldedatum: 22.08.2006
Beiträge: 84
Wohnort: Bremen

BeitragVerfasst am: 24 Jan 2007 9:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ihe,

zunächst finde ich es völlig okay, dass der Abschnitt abgetrennt wurde und ich fínde es super, dass Kritikpunkte angemerkt werden, da mir das im Endefekt bei der Bewertung meiner Arbeit fehlt.
Ferner werde ich mich bei den nächsten Auszügen, etwas mehr anstrengen und Zitate kennzeichnen sowie die Füßnoten mit angeben. Ich habe den ersten Auszug eben nur kopiert und reingestellt, sorry!
Eine Literaturliste mache ich auch noch fertig.

@Merin: Deine Kritik bezüglich Jäger und Sammler kann ich nach vollziehen und bei einer Aufbereitung dieser Arbeit mit einem stärkeren historischen Ansatz würde ich auch die gegenteilige These mit einbeziehen. Diesmal habe ich mich auf die vorhandene Literatur bezogen, in der halt meine angeführte Behauptung vertreten wird. Muss dazu sagen, dass ich an einigen Stellen der Arbeit im nachhinein auch nicht so zufrieden bin.
Im Bezug auf die Ernährungsweise würde ich mich JolandaRingelblume anschließen.

@JolandaRingelblume: Du hast recht, die Literatur im Mittelalter war um einiges reicher. Der Grund, weshalb ich Hildegard von Bingen auch nur angeschnitten habe, liegt darin, dass es mir um einen Überblick mit gewissen Eckpunkten ging. Meine Arbeit hat einen didaktischen Schwerpunkt, der später noch ausgeführt wird. Die Kapitel, die diesem Schwerpunkt vorausgehen, können als Sachanalyse bezeichnet werden. Die Arbeit habe ich im Fach Hauswirtschaft geschrieben.

Im Übrigen habe ich leider sehr viel kürzen müssen, damit ich vorschriftsmäßig die Seiten einhalten konnte(ca. 10 Seiten insgesamt).

Ach ja, Heinrich Marzel war ein Volkskundler, der einige Werke über die Bedeutung der Pflanzen im deutschen Volksglauben verfasste. Andere Autoren wie Storl(dürfte doch bekannt sein?) beziehen sich in ihren Büchern oft auch auf Marzell.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden MSN Messenger
Merin
ModeratorIn
ModeratorIn



Anmeldedatum: 23.05.2006
Beiträge: 3950
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 24 Jan 2007 13:08    Titel: Antworten mit Zitat

Ja Storl kenn ich.

Deine Arbeit durfte nur 10 Seiten haben? Shocked Ich dachte, das wäre eine Abschlussarbeit gewesen... hab ich wohl was verwechselt. 10 Seiten sidn ja eher ein Artikel als eine Arbeit. (Was oft aber viel schwerer zu schreiben ist...)
_________________
Du siehst Dinge und fragst: Warum?
Doch ich träume von Dingen und sage: Warum nicht?
George Bernhard Shaw
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Prechta
NaturfreundIn
NaturfreundIn



Anmeldedatum: 22.08.2006
Beiträge: 84
Wohnort: Bremen

BeitragVerfasst am: 16 Feb 2007 14:55    Titel: Antworten mit Zitat

Nein, habe 10 Seiten kürzen müssen. Die Arbeit hatte insgesamt 65 Seiten und ziemlich viel Anhang.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden MSN Messenger
Merin
ModeratorIn
ModeratorIn



Anmeldedatum: 23.05.2006
Beiträge: 3950
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 16 Feb 2007 15:12    Titel: Antworten mit Zitat

Laughing Na das ist ein Unterschied. Was hab ich da nur wieder verstanden?
_________________
Du siehst Dinge und fragst: Warum?
Doch ich träume von Dingen und sage: Warum nicht?
George Bernhard Shaw
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
zachia
NaturschützerIn
NaturschützerIn



Anmeldedatum: 05.02.2007
Beiträge: 244
Wohnort: Baden-Würtemberg

BeitragVerfasst am: 17 Feb 2007 19:46    Titel: Antworten mit Zitat

jolandaringelblume schrieb:

Zitat:
Und daß er das tut, sagt mir auch, daß ICH als rezente Lebensform in der Lage bin, tierisches Eiweiß zu verdauen, ja sogar spezielle Enzyme (im übrigen besonders über den nicht gar so nutzlosen Pankreas alias Blinddarm) bilden kann.


ähm, ist vieleicht etwas off topic, aber mir wichtig: der pankreas ist nicht der blinddarm, sondern die bauchspeicheldrüse. appendix wäre der fachausdruck für blinddarm.
denke ,das ich mir die anmerkung als gelernte krankenschw. erlauben darf. Wink
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Merin
ModeratorIn
ModeratorIn



Anmeldedatum: 23.05.2006
Beiträge: 3950
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 17 Feb 2007 20:35    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hab mir mal erlaubt dass Zitat zu editieren, so dass es als solches besser kenntlich ist. (Einfach markieren und auf Quote drücken.)

Den Hinweis find ich gut, weil ich nämlich schon beim Lesen überlegt hatte, ob das wirklich das selbe sei. Pankreatitis ist ja nicht die Blinddarmentzündung, die heißt ja Appendizitis, wenn ich richtig erinnere. Also danke für die Richtigstellung.
_________________
Du siehst Dinge und fragst: Warum?
Doch ich träume von Dingen und sage: Warum nicht?
George Bernhard Shaw
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
zachia
NaturschützerIn
NaturschützerIn



Anmeldedatum: 05.02.2007
Beiträge: 244
Wohnort: Baden-Würtemberg

BeitragVerfasst am: 17 Feb 2007 20:45    Titel: Antworten mit Zitat

danke für den hinweis!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Die gütige Fee
NaturfreundIn
NaturfreundIn



Anmeldedatum: 15.07.2012
Beiträge: 45

BeitragVerfasst am: 18 Jul 2012 10:28    Titel: Antworten mit Zitat

Dieser Thread schlummert zwar schon seit Jahren, aber ich lese mich hier langsam durch das gesamte Forum und dachte, ich schreibe trotzdem mal was hier zu.
Erstmal vielen Dank für diese tollen Informationen, als Geschichtsstudentin interessiere ich mich sehr für so etwas und ich habe definitiv etwas lernen können. Beispielsweise wusste ich nicht, dass Karl der Große 90 Pflanzen in den kaiserlichen Gärten haben wollte.

Ich kann Merin im Bezug auf das frühere Sammeln und Jagen zustimmen. Ich habe mich selbst nicht damit beschäftigt, aber in diversen Geschichtskursen, die sich auf mit Gendertheorien befassen, gelernt, dass die Aufteilung von Männern als Jäger und frauen als Sammler mittlerweile sehr stark bei den Historiker*Innen angezweifelt wird, da Höhlenzeichnungen und diverse Funde wohl eher dafür sprechen, dass beide Aufgaben von beiden geschlechtern erledigt wurden.
_________________
Don't blow it- other planets are hard to find!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Morgan
UtopistIn
UtopistIn



Anmeldedatum: 26.05.2012
Beiträge: 301
Wohnort: Wo die Nahe nach RLP kommt

BeitragVerfasst am: 18 Jul 2012 14:28    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke, es gibt viele Argumente für und gegen eine Arbeitsteilung, für und gegen eine bestimmte Ernährungsweise in der Frühzeit etc.
Wichtig erscheint mir, dass wir unsere - und damit meine ich auch allgemein die herrschende Lehrmeinung - nicht als "Amen in der Kirche" ansehehen.
Es ist eine Eigenart des menschlichen Hirns, selektiv wahrzunehmen. Das heißt: wir sehen, was wir wollen und finden dementsprechend auch, was wir finden wollen.
Wenn sich ein Herr Professor eine schöne Theorie zum Leben in der Urzeit zurechtgelegt hat, wird er überall in den Funden und literarischen Quellen anderer Wissenschaftler Beweise für seine Theorie finden, obwohl das gar nicht so sein muss.
Wir neigen zB sehr dazu, unseren Vorfahren Kenntnisse und Wissen im technischen Bereich abzusprechen, weshalb wir staunend vor Stonehenge, den Pyramiden und den Höhlen von Lascaux oder Altamira stehen. Wie die das gemacht haben! So ganz ohne technische Kenntnisse!
Gleichzeitig geben wir jedem Schnipsel, jeder Verzierung, jedem Frauenbildnis oder Bauwerk eine kultische Bedeutung.
Ein etwas mehr als nötig verziehrter Pfeilschaft? Jagdzauber! - Höhlenmalerei? Jagdzauber und Totenkult! - eine dicke Dame aus Stein? Fruchtbarkeitskult! - Ein seltsam anmutender Steinkreis oder Türen in einem Tempel? - Mondkult!

Wer hat uns gesagt, dass es so ist? Vielleicht hatten die menschlichen Bewohner damals wie heute ein Bedürfnis nach Schmuck, Verschönerung und Pornographie? Wer will es wissen?

Ich frage mich nur manchmal, was ein Archäologe in 5000 Jahren in unsere Tiefgaragen hineininterpretieren würde:
Exakt spiralförmig angelegte Wege mit breiten Plattformen und mehreren Ein- bzw. Ausgängen, tels mit Sperren verschlossen, die nur Auserwählte hindurchlassen... und dann die Graffitis: Phallische Symbole und gewaltverherrlichende Texte lassen den Schluss zu, dass hier in großem Stil Fruchtbarkeitsriten, zum Teil mit Menschenopfern, stattgefunden haben.
_________________
Ehe du dich daran machst, die Welt zu retten, gehe erst drei Mal durch dein eigenes Haus (chin. Sprichwort)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    kräuterkommune.de Foren-Übersicht -> Kräuterfragen, Tips und Literatur Alle Zeiten sind GMT + 2 Stunden
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.



Impressum


Powered by phpBB © 2001, 2002 phpBB Group
Synapse Design by Matt Fonda