Wirkstoffe von Heilpflanzen

 
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Merin
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BeitragVerfasst am: 29 Jun 2006 19:20    Titel: Wirkstoffe von Heilpflanzen Antworten mit Zitat

Heilpflanzen und ihre Wirkstoffe
-> die wichtigsten Inhaltsstoffe
-> Nebenwirkungen und Vorsichtsmassnahmen

Eine Heilpflanze besteht oft aus vielen Inhaltsstoffen. Durch das Zusammenwirken der verschiedenen Inhaltsstoffe entsteht dann schon mal eine neue chemische Verbindung, die wiederum günstig wirken kann. Bei Untersuchungen von Heilpflanzen wurde festgestellt, dass teilweise bis zu 300 verschiedene Inhaltsstoffe in einer Pflanze enthalten sind. Die können wir unmöglich alle durchgehen. Konzentrieren wir uns auf die wichtigsten, aus denen wir die Heilwirkung ableiten können.

Bitterstoffe:
Wie schon die Bezeichnung sagt, sie schmecken bitter. Bitterstoffe an sich sind keine geschlossene chemische Gruppe, sondern es gibt viele unterschiedliche Bitterstoffe, die aber allgemein die Verdauung anregen und vorwiegend im Bereich Magen, Darm, Leber, Galle, angewendet werden. Durch den bitteren Geschmack kommt es reflektorisch zu eienr gesteigerten Speichel- uns Magensaftsekretion, es wird auch mehr Gallensaft gebildet. Das regt dann die Verdauung und den Appetit an und verhindert Fäulnis oder Gärung.
Viele der Pflanzen die Bitterstoffe enthalten, werden auch in den so genannten Magenbittern also Schnäpsen die nach dem Essen getrunken werden verwendet. Es gibt auf verschiedene pflanzliche Medikamente, die unterstützend bei Magen-Darm Problemen verwendet werden, z.B. Iberogast.
Als Bitterstoffdrogen werden nur die Pflanzen bezeichnet, die ausschließlich wegen ihres bitteren Geschmacks genutzt werden und keine weiteren therapetuisch wirksamen Substanzen enthalten (Bsp:Enzianwurzel, Wermutkraut). Diese Drogen sollten eine halbe Stunde vor dem Essen eingenommen werden, um ihre volle Wirkung zu entfalten.

Ätherische Öle:
Sind in fast allen Pflanzen enthalten, allerdings in unterschiedlicher Konzentration. So als Faustregel kann man sagen, das angenehm duftende Pflanzen meist ätherische Öle enthalten. Größeren Mengen sind in Pflanzen aus den Familien der Lippenblütler, Rautengewächse, Lorbeergewächse, Kiefern- und Zypressengewächse und Doldengewächse zu finden.
Ätherische Öle unterscheiden sich von herkömmlichen Ölen dadurch, dass sie vollständig verdampfen (ätherisch heißt auf deutsch flüchtig, leicht verdampfend) und auf Papier keinen charakteristischen Fettfleck hinterlassen - man nennt sie deshalb auch "trocknende Öle". Sie werden gewöhnlich durch Wasserdampfdestillation gewonnen, seltener mithilfe organischer Lösungsmittel oder durch Extraktion mit Fetten. Citrusöle können durch Auspressen der Fruchtschalen gewonnen werden, was sehr billig ist. Achtung: Aufgrund des hohen Preises vieler Öle gibt es oft chemisch nachgebaute Duftöle im Handel. Diese sind nicht mit naturreinen ätherischen Ölen zu verwechseln und haben keine Heilwirkung.
Die Wirkungsweise der ätherischen Öle ist sehr vielfältig. Einige wirken hautreizend. Andere haben reflektorische Fernwirkungen Wirkungen auf innere Organe. Gern werden ätherische Öle bei Atemwegserkrankungen verwendet. Andere fördern die Harnausscheidung, die Verdauung, wirken beruhigend usw....

Glykoside:
Kommen ebenfalls sehr häufig im Pflanzenreich vor und haben auch sehr unschiedliche Wirkungen. Als Merkmal bei allen gilt, das sie aus einem so genannten Zucker und Nichtzuckeranteil bestehen. Es gibt hochwirksame (giftige) Glykoside, die auf das Herz wirken (z.B. Fingerhut). Auch Blausäure und das Salicin (Vorläufer des Aspirins) sind Glykoside. Weniger starke Glykoside: Saponine, Flavone, Cumarine

Saponine:
Saponine sind eine spezielle Art von Glykosiden, die in Verbindung mit Wasser Schaum bilden. Ein besonders saponinreiches Kraut, das Seifenkraut wurde früher als Seifenersatz verwendet. Saponine wirken reizend auf die Schleimhäute deswegen werden sie oft als Hustenmittel eingesetzt, um den zähen Schleim in den Bronchien zu verflüssigen. Auch wirken sie harntreibend bzw. brechreizend (in entsprechenden Mengen, also viel bzw. konzentriert). Die Aufnahme anderer Wirkstoffe kann durch Saponine günstig beeinflusst werden. Dies ist bei beim Zusammenstellen von Tees ein wichtiger Aspekt.

Flavone:
Flavone sind gelbe Farbstoffe in der Pflanze und gehören zur Gruppe der Flavonoide (wasserlöslichen Pflanzenfärbemitte). Ihre Wirkungsweise ist sehr unterschiedlich. Sie wirken teilweise recht unterschiedlich, zum Beispiel auf Herz, Kreislauf und Leber, harntreibend, gefäßerweiternd, blutdrucksenkend, gerinnungshemmend und galleanregend. Der zu den Flavonen gehörenden Farbstoff Luteolin ist z. B. in Paprika enthalten.

Cumarine:
Cumarin ist ein Duftstoff der unter anderem in vielen Gräsern enthalten. Es riecht ähnlich wie duftendes Heu und wird meist erst beim Trocknen freigesetzt. Es ist z.B. in Waldmeister und Steinklee enthalten. Einige Cumarine haben gerinnungshemmende Wirkung. Außerdem wirken sie teilweise gegen Insektenfall, z.B. als Mottenkissen. In höheren Dosen kann Cumarin Schwindel und Kopfschmerzen hervorrufen. Bei Berührung führen einige Cumarine zu erhöhter Lichtempfindlichkeit (Wiesendermatitis). Besondere Vorsicht ist hier bei Wiesenbärenklau und Bergamottöl geboten.

Gerbstoffe:
Gerbstoffe kennt am aus der Aufarbeitung von Leder. Gerbstoffe wirken adstrigierend (allg. zusammenziehendes Mittel, welches auf Schleimhäute und Wunden durch Eiweißentziehung abdichtend und reizmildernd wirkt), das Gewebe wird so wiederstandsfähiger und evt. Krankheitserregern wird der Nährboden entzogen. Gerbstoffe werden eingesetzt bei Geschwüren, Verbrennungen und Entzündungen, auch bei Durchfall und Pilzbefall. Sie sind z.B. in grünem und schwarzem Tee enthalten. Aufnahme größerer Mengen an Gerbstoffen können zu Magenschleimhautreizungen oder Leberschäden führen.

Schleimstoffe:
Pflanzenschleime wie das Wort schon sagt, bilden eine dickfüssige Substanz in Verbindung mit Wasser. Sie werden in zwei Kategorien unterteilt: wasserlösliche und wasserunlösliche. Wasserlösliche Schleimstoffe wirken reizmildernd auf die Schleimhäute und werden z.B. bei Entzündungen im Mund-Rachenbereich und Magen eingesetzt. Wasserunlösliche Schleimstoffe können z.B. das Darmvolumen steigern und damit den Stuhlgang regulieren. Außerdem ist bekannt das Schleimstoffe Giftstoffe aufnehmen, Entzündungen hemmen und den Blutzuckergehalt senken können. Um diese Stoffe zu gewinnen müssen die Pflanzen immer im Kaltauszug verwendet, nie aufgekocht werden.Beispiel: Leinsamen, Flohsamen

Hormone, hormonartige Stoffe, Phytohormone -> hier Phytoöstrogene
Sind pflanzliche Hormone -> Östrogene. In angebrachter Dosierung können sie grade in den Wechseljahren regulierend wirken, eine alternative zu den Hormonpräparaten die Frauen in der Menopause oft einnehmen. In den asiatischen Ländern sind Wechseljahresbeschwerden und Brustkrebs deutlich niedriger, als in den westlichen Industrieländern. Unter dem Begriff Phytoöstrogene werden die pflanzlichen Bestandteile Isoflavon und Ligan zusammengefasst. Hauptlieferant sind Hülsenfrüchte und darunter ganz besonders die Sojabohne. Aber auch bei uns gibt es einheimische Pflanzen, die Phytoöstrogene enthalten.

Vitamine, Mineralien, Spurenelemente
Deren Wirkungen sind uns allen bekannt, denk ich. Sie sind auch in Tees enthalten.

Phytonzide
Sind antimikrobischer Wirkung, also sozusagen natürliches Antibiotika. Dieses entwickelt die Pflanze um sich vor Krankeitsbefall zu schützen. Sie haben also eine hemmende Wirkung auf das Wachstum krankheitserregender Mikroorganismen.

Alkaloide
Sind die wirksamsten und gefährlichsten Wirkstoffe in Heilpflanzen. Die meisten sind sehr giftig und schmecken äußerst bitter. Die Dosierung ist hier oft entscheidend, weshalb meist von einer Eigenverwendung abgeraten wird. Alkaloide sind z. B. in der Tollkirsche, Eisenhut, Bilsenkraut, Stechapfel usw. enthalten. In der Medizin werden die Wirkstoffe teilweise genutzt, z. B. starke Beruhigungspräperate, als Schmerzmitte (Morphium), Atropin aus der Tollkirsche…. Coffein und Nicotin gehören auch zu dieser Stoffklasse.

Anthranoide
Wirken abführend. Regen die Darmperistaltik an und beschleunigen die Darmpassage. Drogen mit diesem Wirkstoff sollten nur kurzzeitg eingenommen werden (1-2 Wochen). Früher übliche Anwendungen zum Abnehmen oder zur Blutreinigung werden heute nicht mehr empfohlen, da der Verdacht der Krebsbegünstigung besteht.
Anthrachinonfarbstoffe (z.B. Krappwurzel) spielten früher eine wirtschaftliche Rolle.
Beispiele: Sauerampfer, Faulbaum

fette Öle
Finden sich vorwiegend in Samen und Fruchtfleisch von Pflanzen. Haben hohen Anteil ungesäätigter fettsäuren und sind deshalb bei Zimmertemperatur flüssig. Therapeutisch bedeutsam sind essentielle Fettsäuren wie Linolsäure, die blutdrucksenkend wirken oder die Gamma-Linolensäure, die zum Beispiel gegen Neurodermitis wirkt. Oft haben Öle auch eine schützende, reizmildernde und die Wasserverdunstung einschränkende Wirkung.

Stärken
Ist vor allem in Kartoffelknollen und Getreidekörnern enthalten und nicht in kaltem Wasser löslich. Wird in der Medizin für Pulver, Tabletten usw. verwendet, da sie reizlos und leicht verdaulich sind.

Traditionelle Anwendung und wissenschaftlich nachgewiesene Wirksamkeit
Es gibt eine ganze Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen, die die Wirksamkeit vieler Heilpflanzen bestätigen. Genauso gibt es aber auch traditionelle Anwendungen, die (noch) nicht wissenschaftlich belegt sind. Viele Pflanzen wurden noch nicht ausreichend erforscht. Mit der Anwendung von Heilpflanzen sollte verantwortungsvoll umgegangen werden.

Hinweise zur Selbstmedikation, Nebenwirkungen, Vorsichtsmaßnahmen
->Selbstmedikation nur kurzfristig betreiben. Bei anhaltenden Beschwerden Arzt/Ärztin aufsuchen
->nur Krankheitssymptome, die man bei sich kennt und eindeutig als Zeichen einer "harmlosen Erkrankung" einstufen kann selbst behandeln (z.B. leichte Schlafstörungen, Erkältungen, Kopfschmerzen)
->in der Schwangerschaft oder während der Stillzeit nie selbst behandeln

Pflanzliche Mittel gelten als mild wirkend und ohne gefährliche Nebenwirkungen. Dies ist aber so nicht richtig. Einige Beispiele:
->Pflanzen denen erbgutverändernde Eigenschaften nachgewiesen wurden: indischer und mexikanischer Baldrian
->Pflanzen die krebsfördernd wirken können: Borretsch, Huflattich, Pestwurz, Kreuzkraut und Beinwell
KomischerWeise, erhält man da oft ganz unterschiedliche Hinweise. In einigen Büchern wird ein bestimmtes Kraut empfohlen, das in einem anderen Buch mit Nebenwirkungen dokumentiert wird, im Internet ist es genau so. Grundsätzlich mache ich es so, dass ich über Google das Heilkraut das ich anwenden möchte, schon mit dem Zusatz Nebenwirkung suche.

Autorin: Merin unter Verwendugn eines Textes von Widogard aus der Hexenschule (http://www.forumprofi2.de) und des Kosmos-Heilpflanzenführers
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Du siehst Dinge und fragst: Warum?
Doch ich träume von Dingen und sage: Warum nicht?
George Bernhard Shaw
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