Indigo

 
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Sprotte
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BeitragVerfasst am: 30 März 2007 22:19    Titel: Indigo Antworten mit Zitat

Sad Hilfe!Ich komme mit einer Indigoküpe mit Hydrosulfit irgendwie überhaupt nicht klar! Und dabei ist es doch so etwas Tolles - wenn ich die Wolle aus der Küpe hole, versammelt sich immer die ganze Familie auf der Terrasse, weil es so frappierend ist, wie die Wolle von gelb zu blau wechselt.
Aber: Bei mir wird es immer derselbe helle Farbton, der sich auch nicht verändert, wenn ich die Wolle noch einmal nachfärbe. Zum Überfärben von Cochenille- und gelber Wolle hat es bisher immer gereicht, aber ich träume von dunkelblauer Wolle!
Ich arbeite nach dem Rezept von Gudrun Schneider aus einem Taschenbuch "Färben mit Naturfarben" aus den Achtzigern mit 2g Indigo pro 100g Wolle: Indigo mit Waschmittel und Wasser zu einer Paste rühren, mit 2,6 ml 33%ige Natronlauge, 3g Hydrosulfit, 60 ml Wasser 20 Minuten bei 55° halten. Ich bekomme dann auch so etwas wie Indigoweiß hin, allerdings ist meine Stammküpe immer ziemlich milchig trüb, hat aber immerhin ein schillerndes Häutchen obendrauf. Ins Küpengefäß kommen dann außer Wasser und der Stammküpe 3ml 25%iges Ammoniak und 2g Hydrosulfit. Ein Test mit Phenolphtalein ergibt immer rosa bis rot. Also sollte die Küpe laut Buch eigentlich funktionieren. Perlleim setze ich nicht zu, weil ich nicht weiß, wo ich den herbekomme und weil mir eine Färberin in einem Museum gesagt hat, das er gar nicht notwendig ist.
Ich habe auch schon mal 5g Indigo pro 100g Wolle probiert und hatte doch wieder mein bekanntes hellblau. Ist das immer noch zu wenig? Wie kriegt ihr ein dunkleres Blau hin? Gibt es noch eine andere Möglichkeit, eine Küpe mit festem Indigo anzusetzen, vielleicht mit weniger Chemie (aber ohne Urin)?
Ich habe mir jetzt bei Wollknoll wasserlösliches Indigo gekauft und will es nächste Wolle mal ausprobieren. Hat eine/r von euch damit Erfahrung?
Ich bin sooo gespannt auf eure Antworten!
Sprotte
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Mazaracis
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BeitragVerfasst am: 31 März 2007 9:02    Titel: Indigo, wasserlöslich Antworten mit Zitat

Guten Morgen Sprotte,

ich habe das wasserlösliche Indigo von Wollknoll einmal ausprobiert und damit gelbe Wolle im Strang überfärbt (ich weiß aber nicht mehr, mit was ich die gelbe Wolle gefärbt hatte) und habe helles grün erhalten.
Die Farbe zog allerdings blitzschnell, fast schlagartig in die Wolle und die Färbung ist dadurch etwas unregelmäßig geworden.
Viele Grüße
Gabriele
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Merin
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BeitragVerfasst am: 01 Apr 2007 19:20    Titel: Antworten mit Zitat

Mit Indigo habe ich leider keinerlei Erfahrung... aber ich hoffe, dass Karin da was zu schreiben kann.
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Karin Tegeler
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BeitragVerfasst am: 05 Apr 2007 15:33    Titel: Indigo Antworten mit Zitat

Ja, Karin kann.
In vielen Büchern wird das Färben mit Indigo sehr umständlich beschrieben, dabei ist es ganz einfach. Keine Ahnung, warum die AutorInnen das so machen, nicht mal zum Blaufärben von Leinen und Baumwolle ist das mit der Küpe und zusätzlich Stammküpe notwendig. Möglicherweise, ist das für die Industrie von Vorteil, aber für die Mengen, die wir färben jedenfalls nicht.
Also: Indigo ist nicht wasserlöslich, wie das bei den Farbstoffen der anderen Pflanzen, die wir benutzen hauptsächlich der Fall ist. Es gibt drei Möglichkeiten den Indigo so zu lösen, dass man Wolle blau färben kann.
1.Vergären mit Urin (die umweltfreundlichste Methode) - Urinküpe
2.in Schwefelsäure lösen. Das ist dann die sogenannte Indigolösung. Man kann das theoretisch selber machen, ist aber natürlich sehr gefährlich. Im handel gibt es aber auch Indigo-Lösung zu kaufen. Die färbt man in saurem Klima, und zwar auf gebeizter Wolle. Ich nehme zum Beizen meine Kaltbeize AL, dann wird die Wolle gespült und das Farbbad angesetzt. Essigsäure ( z.B. Essigessenz 25% ig ) zugeben bis zu einem pH-Wert um 3, und dann soviel Indigolösung zufügen wie man mag, je nachdem wie hell bzw. dunkel die Wolle werden soll. Um den pH-Wert zu messen gibt es Indikatorpapier in der Apotheke. Davon reißt man ein Stückchen ab und taucht ein Ende in die Färbebrühe. Je nachdem wie sich das Papier verfärbt, kann man an der Scala die dabei ist ablesen, welchen pH-Wert man hat. 7 ist neutral, niedriger sauer und höher alkalisch. Wolle ist säurefreundlich und alkalifeindlich, deswegen ist diese Methode für Wolle sehr gut geeignet. Durch Überfärben von gelber Wolle erhält man grüne Töne und wenn rosa überfärbt wird, violett. Man legt die gebeizte Wolle bei ungefähr 40° ein, lässt langsam hochtreiben bis 90 höchstens 95° und hält diese Temperatur 1 Stunde. Dann vorsichtig aus der Brühe herausholen und von alleine abkühlen lassen. Wenn die Wolle kalt geworden ist, spülen.
3.Die 3. Methode ist die Reduktionsmethode mit der Hydrosulfitküpe. Dabei kommt es auf das genaue Abmessen der „Zutaten“ an. Ich mache das in meinem Einkochtopf mit Thermostat, denn die Temperatur muß konstant bei ca. 55° eingestellt werden, sie darf 60° auf keinen Fall überschreiten, sonst geht die Küpe kaputt. Also ich fülle meinen Topf mit ca 21 Litern Wasser, stelle auf 55° ein und füge 84ml Ammoniak (Salmiakgeist 25%ig) zu. Achtung: das aus der Flasche austretende Gas ist giftig, NICHT EINATMEN, den Kopf ein bißchen zur Seite halten. Dann „teige“ ich mein Indigo an, indem ich in einem kleinen Gläschen oder Schälchen 8-10g Indigo rein (Indigo rein ist chem. hergestellter Indigo, bei pflanzlichem braucht man ca. die 3-fache oder mehr Menge, je nachdem wie viel Indikan enthalten ist) mit etwas Brennspiritus verrühre, so dass es eine Paste wird. Diese Paste ebenfalls in den Topf geben, Schälchen gleich im Topf ausspülen, damit alles in die Küpe kommt. Gut umrühren. 42 g Hydrosulfit (Natriumdithionit) abwiegen und einstreuen. Jetzt nur noch ganz vorsichtig umrühren ohne viel zu tropfen! Dieses Hydrosulfit wandelt die Indigofarbe um von blau in gelblich, das ist die „Reduktion“. Nun ca 1 Stunde bei geschlossenem Deckel ziehen lassen, immer bei 55°. In der Zwischenzeit die (ungebeizte) Wolle in handwarmem Wasser einweichen. Nach der Stunde sollte sich oben auf der Küpe eine schillernd metallische Haut, die sog. Blume gebildet haben und darunter ist die Flüssigkeit gelblich. Wolle aus dem Wasser nehmen, ausschleudern oder gut ausdrücken und in der Küpe versenken. 15 Minuten drin lassen und dann aus der Küpe ziehen, aber wieder ohne viel zu spritzen, denn sonst kommt Sauerstoff in die Küpe und sie wird wieder blau und unbrauchbar. Während man die Wolle aus der Küpe zieht wird sie blau, sie muss aber noch weiter an der Luft verblauen, also etwa 1/2 Stunde in die Luft hängen. Dann kalt spülen. Da die Wolle ja jetzt alkalisch gefärbt wurde, muss sie nun unbedingt in einem Essigbad abgesäuert werden. Dazu nimmt man ca. 10 ml. Essigessenz auf 1/2 Eimer Wasser und lässt die Wolle darin 1/2 Stunde liegen. Danach nicht mehr spülen, sondern wie gewohnt trocknen lassen.

Für Leute, die noch nie blau gefärbt haben, mag das schwierig klingen, wer sich aber schon mal an der Hydrosulfitküpe versucht hat, wird merken, dass diese Methode viel einfacher ist, als sie sonst beschrieben wird. Man braucht außer Wasser nur 4 Zutaten, und keine Rechnerei, außer man will eine kleinere oder größere Färbeküpe ansetzen. Zum Hydrosulfit ist noch etwas zu sagen: es ist giftig, Chemikalien gehören sowieso nicht in Kinderhand. Außerdem ist es nicht unbegrenzt haltbar. Immer sofort wieder dicht verschließen, wenn es anfängt leicht zu klumpen, ist es verdorben, deswegen nur in kleinen Mengen kaufen. Jeder sollte sich über Giftigkeit und Entsorgung der Chemikalien, die er/sie verwendet informieren, z.B. bei www.seilnacht.tuttlingen.com

Ende Juni gibt es bei mir einen Kurs, wo man diese und andere Methoden zum Blau färben lernen kann in angenehmer, fröhlicher Runde und ohne gleichzeitig an Haushalts- oder andere Arbeiten denken zu müssen!!
Liebe Grüße
Karin
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BeitragVerfasst am: 05 Apr 2007 16:30    Titel: Antworten mit Zitat

Karin du bist echt ein Schatz! Very Happy

In deinem text ist irgendwas mit einem Teil der Zeitangaben geschehen, gerade zum Ende der Angaben. War das jeweils ein 1/2 was da jetzt als kryptische Zeichen steht?
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Karin Tegeler
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BeitragVerfasst am: 05 Apr 2007 16:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Merin,
jaja, irgendwie ist das beim Reinkopieren des Textes entstanden. Das soll jedesmal eine halbe Stunde bedeuten. Also circa.
Wer noch Fragen dazu hat, darf mir ruhig eine Mail schicken.
Liebe Grüße
Karin
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Mazaracis
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BeitragVerfasst am: 06 Apr 2007 12:13    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen,

eine Frage noch zu Karins Indigo-Färbe-Erklärungen:

Bei der unter Punkt 2 erläuterten , mit Schwefelsäure angesetzten Indigo-Lösung handelt es sich um die sog. Indigo-Paste,oder?

Ich habe im Handel bisher vergeblich danach gesucht, weil ich sie nur ungern selbst ansetzen will, wo gibt es die denn zu kaufen?

Viele Grüße und schöne Oster-Feiertage

Gabriele


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Karin Tegeler
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BeitragVerfasst am: 06 Apr 2007 13:17    Titel: Indigopaste-Indigolösung Antworten mit Zitat

Hallo Gabriele,
ja das stimmt. Die paste anzusetzen ist gefährlich und man bekommt die konzentrierte Schwefelsäure auch gar nicht wenn man nicht selbst in einem Labor arbeitet.
Ausser dieser Paste, die nur aus Schwefelsäure und Indigo besteht kann man sogenannte Indigo-Lösungen kaufen. Dabei handelt es sich bereits um verdünnte, ungefährliche Lösungen, die auch bereits neutralisiert worden sind. Daher kommt es auch, dass man die Färbeflotte noch extra wie beschriebn säuern muß.
Du kannst diese Indigo-Lösung und anderes Färbematerial bekommen bei Fa. Mann
Im Dorngarten 6
67308 Lautersheim Tel: 06351 6869
Herr Mann hat keinen Internetanschluß, aber preiswertes und sehr gutes Färbematerial!
Liebe Grüße
Karin
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BeitragVerfasst am: 09 Apr 2007 19:59    Titel: Antworten mit Zitat

Karin, ich hab mal deinen Beitrag editiert, sod ass jetzt 1/2 dasteht. Die kryptischen Zeichen kamen sicher weil Word aus 1/2 was mit kleinen zahlen (also Sonderzeichen) gemacht hat, denk ich....
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