Kinder kriegen = unethisch?

 
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schafsache
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BeitragVerfasst am: 30 Sep 2008 16:52    Titel: Kinder kriegen = unethisch? Antworten mit Zitat

Hallo.
Wie einige von euch lese ich grade das buch von leo hickman "fast nackt". Das buch ist sehr interessant und informativ, vor allem finde ich gut das er auch immer wieder emails zitiert die er zu den verschiedenen bereichen eines ethischen lebens bekommen hat.
Eine davon hat mich allerdings sehr stutzig gemacht bzw. aufgeregt. Zitat: "Kinder zu kriegen ist das unethischste was sie tun können. Versuchen sie als erstes das einzustellen."
Was denkt ihr über dieses thema? Ich habe bei meinen recherchen im internet gesehen das diese meinung anscheinend von mehr leuten vertreten wird. Was steckt dahinter? Natürlich ist überbevölkerung ein großes problem aber ist dieses dilemma wirklich dadurch zu lösen das man einfach keine kinder mehr bekommt? Ist es nicht sinnvoller kinder in die welt zu setzen und sie in einem möglichst ethischen, ökologischen bewußtsein zu erziehen?
Ich möchte einfach mal eure meinungen zu dem thema hören, ich persönlich finde solch eine aussage nicht wirklich sinnvoll und auch nicht differenziert genug um zu funktionieren.
Grüßlis
Ina
P.S.: Ich selber habe noch keine kinder, mein freund hat 2, aber was ökologie angeht sind sie absolut unbeleckt genauso wie mein freund.
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Mania
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BeitragVerfasst am: 01 Okt 2008 0:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
ich denke Kinder kriegen ist die natürlichste Sache der Welt und alles Leben ist darauf ausgerichtet sich fortzupflanzen.
Kinder kriegen als unethisch einzustufen, da wird das Pferd von hinten aufgezäumt.
Man sollte seine Energie tatsächlich dahinein investieren, dass man schaut, wie wir alle nebeneinander und miteinander in einer gerechten und naturverträglichen Welt leben können.
Überbevölkerung lässt sich sicherlich auch anders lösen als dass privilegierte weiße Mitteleuropäer auf's Kinder kriegen verzichten... Rolling Eyes
Lieben Gruß,
Mania
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Merin
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BeitragVerfasst am: 02 Okt 2008 12:16    Titel: Antworten mit Zitat

Genau das mit den privilegierten Weißen Mittelstandsbürgern ist aber der Kernpunkt der Kritik. Die lautet nämlich, dass es vom ökologischen Standpunkt her gesehen viel besser ist, ein Kind in einem armen Land aufwachsen zu lassen, weil dort viele Kinder von dem leben können, was ein Kind hier verbraucht. Es geht meines Erachtens bei dieser Argumentation nicht um Überbevölkerung, sondern darum, dass hier in Deutschland/Mitteleuropa extrem viele Ressourcen und Energie aufgewendet werden, wenn Kinder aufwachsen. Und dass das eben anderswo anders ist.
Meines Erachtens ist das sogar ein Gegendiskurs zum Überbevölkerungsdiskurs, der ja immer implizit mitschwingen lässt, dass die Schwarzen Kinder zu viele sind. Niemand spricht von Überbevölkerung in Deutschland (und wenn doch sind kinderreiche Migrantenfamilien gemeint), sondern es sind die ChinesInnen oder die AfrikanerInnen oder die TürkInnen die "zu viele" sind. Der Diskurs, dass Kinderkriegen in Mitteleuropa unethisch sei weitet dagegen den Blick auf die globale Zahl der Menschen und meint: "Wenn man Kidner bekommt, dann besser in Afrika!" Ich glaube allerdings nicht, dass das ernst gemeint ist als Aufforderung, sondern eher als Denkanstoß: Was brauchen wir und unsere Kidner wirklich? Sind die anderen wirklich zu viele oder sind wir nicht viel eher die, die auf Kosten der anderen leben? Das ist ja das Merkwürdige: Die Argumentation der schlimmen umweltverheerenden Überbevölkerung in sagen wir, Nigeria, wird nie in Beziehung gesetzt dazu, dass ein Kind hier in Mitteleuropa einen viel größeren ökologischen Fußabdruck hat, sprich, viel mehr Ressourcen verbraucht.
Es ist aber vollkommen klar, dass die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, keine ökologische ist. Aber wenn man ohnehin keine Kinder will kann man so vielleicht ein Kind anderswo unterstützen und muss sich den Schuh nicht anziehen, dass es unethsich sei KEINE Kinder zu bekommen. Denn auch diese Diskussion gibt es ja: Es sei eine Sauerei keine Kinder zu bekommen, weil unsere Gesellschaft überaltere und dann niemand unsere Renten zahle... dabei können wir ja ein paar von den jungen Leuten herholen, die zuhauf bei dem Versuch der Überfahrt nach Europa ertrinken.... die sind dann ökologisch und ressourcenschonend aufgewachsen und können hier in Deutschland arbeiten um unsere Renten zu zahlen. Und die wollen das sogar. Wink
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schafsache
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BeitragVerfasst am: 02 Okt 2008 16:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo.
Ich finde deine argumentation sehr interessant merin. Das sich diese theorie hauptsächlich auf die "ressourcenverschwendung" bezieht war mir nicht bewußt.
Allerdings glaube ich das die vertreter dieser these eine sache nicht bedenken. Das kinder aufzuziehen in europa so viele ressourcen verbraucht liegt meines erachtens nach an der übersättigten konsumgesellschaft die hierzulande einfach herrscht. Kinder kriegen an und für sich ist nicht das problem, das hat man in den armen jahren gesehen, auch europa bzw. deutschland ging es nicht immer so gut wie jetzt. Und kinder kriegt man auch mit weniger resourcen groß. Und wie du auch schon sagst ist es meiner meinung auch etwas einseitig die überbevölkerung in armen ländern völlig aus dieser umwelt-diskussion auszuklammern.
Ich frage mich allerdings auch ob es sinnvoll ist junge leute aus armen ländern hier her zu holen die zwar ressourcenschonend aufgezogen wurden, hier aber trotzdem zu konsumorientierten bürgern werden. Denn in dieser hinsicht passen sich die meisten an, da sie hier die möglichkeit haben. Das dilemma für die umwelt ist meines erachtens nach das selbe.
Grüßlis
Ina
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Harlekin
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BeitragVerfasst am: 03 Okt 2008 11:14    Titel: Antworten mit Zitat

Och, schwierige Frage.
Ich vermute Ja und Nein

Das mit den Ressourcen sehe ich auch so und auf der anderen Seite ist es natürlich wichtig eine Gesellschaft zu haben, in der junge Leute weiterleben, so ist der natürliche Kreislauf.

Uns ich habe beobachtet, das gerade die Familien mit ein oder zwei Kindern, zu denen ich auch gehöre, allerdings bin ich unbetucht und spreche jetzt von den Besserverdienenden, die meisten Ressourcen abschöpfen.
Wenn ich Geld habe, wäre es nicht mein Ziel zu konsumieren ohne die Folgen zu beachten.

Die Familien mit vielen Kinder, haben "oft" nicht die finanziellen Mittel...

Ich ganz persönlich wäre für eine Einschränkung der natürlichen, überlebenswichtigen Ressourcen, wie Wasser, Energie und Luft. Heißt jeder darf nur einen Teil davon verbrauchen, verschmutzen und danach ist einfach Schluß mit lustig. Und er kann sich persönlich darum kümmern, den Müll zum Beispiel zu beseitigen, den er fabriziert, ich vermute das würde viele zum nachdenken bringen, ein Tag auf der Müllkippe, oh bah.

Für mich ist Kinder bekommen nicht unethisch, sondern die Tatsache viel zu benutzen, wenn es auch anders ginge, ich kenne auch Bekannte die haben keine Kinder und die leisten sich wirklich viel, was ich unter unmoralisch einstufe, ihnen ist es egal, nach Ihnen die Sinnflut und das wörlich zu mir gesagt. Shocked
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JolandaRingelblume
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BeitragVerfasst am: 06 Okt 2008 13:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo an alle,

als ich das Zitat von Ina zum ersten Mal gelesen habe, dachte ich... "Ja, klar! Ein ironischer Denkanstoß!" Ist doch klar, dass wir - also so als Gesellschaft gesehen - Kinder kriegen. Kinder sind super, egal wo sie aufwachsen. Und Kinder können erstmal primär nichts dafür, dass man Ihnen in reichen Gegenden versucht, das Leben so bequem und schön und überhaupt besser zu gestalten. Das wünscht sich mit Sicherheit jeder, der Kinder hat und wahrscheinlich auch viele, die keine Kinder haben für die Kinder ihrer Freunde und Verwandte. Also ich finde das einen natürlichen Reflex und die Aussage des Autors halte ich eigentlich nur für provokativ in dem Sinne: "Achtung Leute! Benehmt Euch nicht wie Umweltflegel, nur weil Euch Eure Kinder über alles gehen. Denkt nach!" Zum anderen sehe ich in der Aussage auch, dass er meint, dass ethisch zu leben schon schwer ist und mit Kindern, ist es ein riesiger Haufen Arbeit. (Aber ganz ehrlich. Ich finde die Idee, möglichst ethisch korrekt zu leben sehr interessant. Nur muss man auch hier aufpassen, dass man nicht in Extreme umschwenkt, die fast schon masochistische Züge an sich haben.)

@Merin: Ich hoffe, dass das nicht dein Ernst ist, wenn du sagst, ein Kind in Afrika ist ökologisch und ethisch korrekt und daher besser als ein Kind in Europa? Ich kann ja nachvollziehen, wenn du sagst, dass der "Fußabdruck" dieses Kindes kleiner ist. Aber glaubst du wirklich, dass es wünschenswert für Kinder ist, in Krisengebieten aufzuwachsen? Teilweise zu hungern? Sich mit Krankheiten herumzuplagen, vielleicht sogar daran zu sterben, die eigentlich heilbar oder zumindest therapierbar sind? Nicht zur Schule gehen zu können, und wenn dann mit einem täglichen Fußmarsch von 10 Kilometern? Seine Eltern jung zu verlieren? Was ist daran ethisch?

Ich persönlich wünsche mir, dass jedes Kind glücklich bei seinen Eltern leben kann, ein Dach über dem Kopf hat, lernen und viele Erfahrungen in einer intakten Gesellschaft machen kann, immer satt wird, keine Alpträume haben muss und wenn es krank ist, ärztlich versorgt wird. Das sind nämlich Grundbedürfnisse und - im übrigen - Menschenrechte. Und über das Plastikspielzeug und die Dauerberieselung im TV kann man dann immer noch diskutieren.

lg
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BeitragVerfasst am: 06 Okt 2008 14:08    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
@Merin: Ich hoffe, dass das nicht dein Ernst ist, wenn du sagst, ein Kind in Afrika ist ökologisch und ethisch korrekt und daher besser als ein Kind in Europa? Ich kann ja nachvollziehen, wenn du sagst, dass der "Fußabdruck" dieses Kindes kleiner ist. Aber glaubst du wirklich, dass es wünschenswert für Kinder ist, in Krisengebieten aufzuwachsen? Teilweise zu hungern? Sich mit Krankheiten herumzuplagen, vielleicht sogar daran zu sterben, die eigentlich heilbar oder zumindest therapierbar sind? Nicht zur Schule gehen zu können, und wenn dann mit einem täglichen Fußmarsch von 10 Kilometern? Seine Eltern jung zu verlieren? Was ist daran ethisch?


Hui, Jol, was ist denn das für ein undifferenziertes Klischeebild von Afrika? Genausowenig wie ganz Europa Irland oder der Balkan ist, ist Afrika ein einziges Krisengebiet. Es hungern nicht überall alle Kinder (in Deutschland hungern auch Kinder), es haben auch nicht alle Kinder Krankheiten, die nicht behandelt werden und es haben auch nicht alle Schulkinder 10km-Märsche hinter sich. Es gibt auch in Afrika Gebiete, wo es den Kindern im Allgemeinen gut geht, sie genug zu essen und anzuziehen haben und regelmäßig in die Schule gehen. Ganz davon abgesehen halte ich die Schule nicht für einen allgemeinen Segen und finde, dass Kinder auch anders lernen können, aber das ist ein anderes Thema. Ich werf nur mal das Wort Homeschooling-Bewegung in den Raum...

Ganz davon abgesehen habe ich (nochmal nachles, ja wird deutlich) die Position wiedergegeben, wie ich sie in Hickmans Buch verstanden habe. Und das ist ja auch nicht Hickmans Position, sondern eine, mit der er konfrontiert worden ist und die ihn schockiert hat. Udn es ist, um es nochmal ganz deutlich zu sagen, auch nicht meine Position. Ich seh sie genau wie Du als Denkanstoß in verschiedene Richtungen, die ich in meinem Posting erläutert habe.
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BeitragVerfasst am: 06 Okt 2008 14:40    Titel: Antworten mit Zitat

Mein Klischeebild kommt daher, dass mein Patenkind genau 10 km zu Schule laufen muss. Und sicherlich kann man alles differenzierter betrachten und auch die Menschen sehen, denen es besser geht, da magst du recht haben. Es gibt aber nun einmal - gerade in Afrika - aber auch sonstwo auf der Welt genau die Probleme, von denen ich geschrieben habe. Und die Menschen, die darin untergehen, werden eben auch mit ihrem minimalen Fußabdruck eingerechnet.

Du hast - auch wenn ich jetzt sehe, dass du es ironisch meintest - geschrieben, dass die Menschen in Afrika ".... dann ökologisch und ressourcenschonend aufgewachsen ..." sind und daher super zur Lösung unseres Rentenproblem (was meiner Ansicht nach ein Finanzproblem und kein Bevölkerungsproblem ist) geeignet ist.
Das hat mich echt baff gemacht. Das war zu provokant. Und für mich im ersten Moment absolut zynisch. Wäre ja nicht das erste Mal, dass ich dich falsch verstanden habe. Wink Embarassed

Der Traum, dass es allen Kindern möglichst gut gehen soll, geht mir nunmal vor dem "ökologischen Fußabdruck". Das ist meine persönliche Einstellung. Und wenn Eltern soviel Bildung und Zeit besitzen, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten, dann ist auch Homeschooling ok. Aber da muss die Welt in vielen Regionen erst einmal hin!

lg
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BeitragVerfasst am: 06 Okt 2008 21:31    Titel: Antworten mit Zitat

Ui, ja das war ironisch gemeint. Eine ironische positive Umdeutung des negativen Afrikabildes.
Und mir geht das Wohlbefinden auch über den ökologischen Fußabdruck.
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