Brennessel

 
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Merin
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BeitragVerfasst am: 26 Mai 2006 20:45    Titel: Brennessel Antworten mit Zitat

Brennnessel
Urtica Dioica: große Brennnessel
Urtica Urens: kleine Brennnessel


Die Brennnessel ist wohl jedem bekannt. Die unliebsame Berührung mit den Brennhaaren, die beim Zerbrechen eine Flüssigkeit abgeben, deren Eindringen in die Haut das Brennen verursacht, lässt einen die Pflanze nicht so schnell vergessen. Man sollte deshalb beim Sammeln die Handschuhe nicht vergessen!
Die vielseitige Pflanze wird oft als Unkraut beschimpft. Sie wächst in ganz Europa, Teilen Asiens, Amerikas und Australien in gemäßigtem Klima, bevorzugt auf gut gedüngten Böden und am liebsten dort, wo sich Menschen sesshaft gemacht haben. Wer die Brennnessel als Heil- und Nutzpflanze einmal kennengelernt hat wird sich sicher sehr schätzen. Sie ist einfach ein Alleskönner und schmeckt zudem auch gut!

Ein anderer Name für die Pflanze ist Hanfnessel. Er erinnert daran, dass vor der Einführung der Baumwolle in Europa hanfähnliche Stoffe aus den Fasern der großen Brennnessel hergestellt wurden. Im Mittelalter wurden diese Stoffe verwendet, heute sind sie fast vergessen. Auch in Mexiko sollen schon vor 8000 Jahren Stoffe und Papier aus Brennnesseln hergestellt worden sein.
Man kann auch Farben aus der Nessel gewinnen: Grün aus den oberen Pflanzenteilen, Gelb aus der mit Alaun eingekochten Wurzel.

Inhaltsstoffe: Die Brennnessel enthält viele Spurenelemente, Vitamin A, C und D und wichtige Enzyme. Eisen, Kalzium und Mangan. Das Gift der Brennhaare wirkt meist nicht sehr lange und ist nach wenigen Stunden nicht mehr spürbar. Innerliche Vergiftungserscheinungen (Unverträglichkeit) sind sehr selten, kommen aber vor (Übelkeit, brennendes Gefühl im Verdauungstrakt, Ausschläge nach Umschlägen mit frischer Brennnessel).

Heilkräfte der Brennnessel: Der Tee aus der gesamten Pflanze oder den Wurzeln wirkt blutreinigend und stoffwechselfördernd. Außerdem wirken Brennnesselauszüge auf Haar und Kopfhaut stärkend. Dafür kannst du auch 3-4 Mal pro Woche ½ Tasse gekochter Brennnesseln essen.
Brennnesselblätter wirken nährend und tonisierend, heilungsfördernd, antiseptisch, schleimlösend, anti-asthmatisch, innerlich und äußerlich blutstillend. Die langfristige Anwendung der Brennnessel wird von der weisen Frau Susan Weed empfohlen, insbesondere für Schwangere und Stillende. Auch bei Menstruationsbeschwerden, Allergien und chronischen Kopfschmerzen soll sie langfristig helfen. Chronische Krankheiten, Erschöpfung, Immunschwäche, Verdauungs- und Harnwegsprobleme soll sie positiv beeinflussen. Brennnesselsitzbäder können Hämorrhoiden lindern (10 min., 2-3 Mal täglich).
Brennnesselsalbe gegen Insektenstiche, Ausschläge, Verbrennungen, Nesselfieber, Pilzinfektionen. Brenneselöl gegen alles was juckt (Stiche usw.)
Brennnesselpulver kann bei kleineren Verletzungen die Blutung stillen. Innerlich ist Frischsaft am wirkungsvollsten, notfalls Dekokt nehmen.
Dosierung nach S. Weed: Brennnessel-Tinktur: 5-100 Tropfen tgl. in Wasser
Brennnessel-Infus: 0,25 bis 0,5 Liter am Tag
Brennnessel-Frischsaft: 1-3 Tl pro Tag
Jeweils mind. Einen Monat lang tgl. einnehmen

Brennnesselsamen fördern den Schlaf und sind gut gegen Würmer. Sie helfen der Schilddrüse (13 Körnchen drei Mal am Tag) und unterstützen bei Vergiftungen. Auch Brennnesselsamen sind gut für Haut und Haar. Sie lassen sich nur leider schwer sammeln, weil sie, wenn sie im Herbst reif sind, schnell herabfallen und an einem Sonnentag gesammelt werden sollten.

Brennnesselwurzel ist ebenfalls gut für Haut und Haar (Schuppen, Haarausfall), kräftigt die Harnorgane und das Lymph- und Immunsystem. Zur ersten Hilfe bei Durchfällen den Dekokt schluckweise trinken. Wurzeltinktur (5-90 Tr. tgl in Wasser) oder Infus: (0,125 – 0,25 l am Tag)

Im Garten verbessert die Brennnessel den Kompost. Brennnesseljauche stärkt Pflanzen und ist ein gutes Insektizid.

Verwendung in der Küche: Besser als die Brennnessel mit Gift zu bekämpfen ist es, sie aufzuessen. Sie brennt nicht mehr, wenn man sie mit kochendem Wasser übergießt oder in Öl einlegt. In Öl eingelegt kann man sie sogar roh genießen, z.B. an Quark. Am besten schmecken frische Triebe. Wenn man eine Brennnesselstelle gefunden hat kann man hier durch regelmäßiges Mähen nachhelfen. Die Nesseln wachsen dann immer wieder nach. Oder man sammelt sie im Frühjahr, wenn die Triebe ca. 20 cm lang sind. Die oberen Triebspitzen kann man immer essen.
Die Brennnessel kann man zu Suppen, Aufläufen, Gemüse oder sogar Spätzle verarbeiten. Brennnesselspinat ist wohl am bekanntesten.

Sammelzeit:
frisch zum Essen: März bis Juni, junge Blätter auch später
für Tee: März bis September
Samen: September, Oktober
Wurzel: im Herbst

Und so sieht sie aus:

Bild: Admin und Merin
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Zuletzt bearbeitet von Merin am 06 Jul 2007 12:01, insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 09 Aug 2006 12:00    Titel: Antworten mit Zitat

Brennnessel-Suppe

Zutaten:
Junge Brennnesselblätter
Wasser, Gewürze
Butter
Mehl

Zubereitung:
Junge Brennnesseln werden in Salzwasser weich gekocht, anschl. in Butter gedünstet. Man gießt mit dem Kochwasser der Brennnessel auf und verdickt die Mischung mit Mehl.

Diese Suppe hat auch Heilwirkung::
Nierenerkrankungen, Magenerkrankungen, Darmerkrankungen, Blutarmut.

Quelle: Sionnach in der Bibliothek von www.signs-of-witchcraft
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BeitragVerfasst am: 11 Aug 2006 14:57    Titel: Antworten mit Zitat

Brennesselsalbe gegen Ekzeme und Hautprobleme.

Zutaten:

60g Bienenwachs
1/2l Olivenöl
120g getrocknete oder 300g frische Brennessel

Zubereitung:

Bienenwachs und Öl in im Wasserbad schmelzen. Dann die zerkleinerten Brennesseln einrühren. Das Ganze von der Herdplatte nehmen und bei 80°-100° im Backofen 3 Stunden lang stehen lassen. Dann abseihen, in kleine luftundurchlässige Gefäße füllen und kaltrühren.

Soll etwa 6 Monate haltbar sein.

Quelle: "Das Lexikon der Heilpflanzen", von Andrew Chevalliere
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BeitragVerfasst am: 11 Aug 2006 14:58    Titel: Antworten mit Zitat

Brennessellimonade:
In knapp 2 l Wasser werden etwa 2 Hand voll junge frische Brennesseln zusammen mit dem Saft einer Zitrone, 1 Teelöffel geriebener frischer Ingwerwurzel und 225 g braunem Zucker vermischt und aufgekocht. Abgedeckt abkühlen lassen, abseihen und kalt stellen. Dieser Sirup kann dann nach Geschmack 1:1 oder 2:1 (2 Teile Wasser mit 1 Teil Sirup) mit sprudelndem Mineralwasser vermischt werden. Eisgekühlt und mit einer Scheibe Limone garniert servieren.

Quelle: Sabin in http://www.s1.forumfactory.com/cgi-bin/s1/foren/F_0678/cutecast.pl?forum=24&thread=3442
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BeitragVerfasst am: 25 Aug 2006 18:39    Titel: Antworten mit Zitat

Brennnesselverarbeitung allgemein

Brennesseln mit einer Sichel im Ganzen abschneiden, waschen, mit heißem Wasser übergiessen und ca. 10 Min ziehen lassen. Hardliner machen das alles ohne Handschuhe, ich miit.
Danach kann man sie mit blossen Händen herausnehmen und verarbeiten (kleinschneiden). Der Sud schmeckt nach dem Abkühlen hervorragend.

Man kann Brennesseln auch an Eierkuchen oder Kartoffelpuffer machen.
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Prechta
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BeitragVerfasst am: 25 Aug 2006 21:37    Titel: Antworten mit Zitat

Im Volksglauben wurde die Haut bei Krankheiten wie Scharlach, Marsern oder auch Rheuma mit frischen Brennesseln ausgepeitscht. Das sollte Linderung verschaffen.
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Strega
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BeitragVerfasst am: 06 Feb 2007 18:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo

Ein Tipp an alle Heuschnupfen geplagte:

Täglich 2 Tassen Brennesseltee schluckweise über den Tag verteilt getrunken bringt ungemeine Linderung. Schwangere sollten aber mit Brennesseltee vorsichtig sein, weil er auch sehr stark entwässert.

LG
Silvia
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Dilara
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BeitragVerfasst am: 04 Dez 2009 23:39    Titel: Antworten mit Zitat

Noch was zu Brennesselsamen (hat Merin schon oben erwähnt)... ich nehme sie täglich für die Haare ein. Meist im Joghurt oder Pudding. Sie geben dem Haar Glanz und davon sollen sie schneller wachsen. Und ich finde, es klappt Wink
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kathy08
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BeitragVerfasst am: 14 Jan 2010 19:45    Titel: Antworten mit Zitat

Brennesseln im Garten:
- für viele Insekten wichtiger Vermehrungsort (darunter Marienkäfer und mehrere Schmetterlingsarten) - also unbedingt ein paar stehen lassen!
- in Kombination mit Beerensträuchern (Johannisbeeren) wachsen lassen: Brennesseln verbessern den Boden und erhöhen die Ernteertrag deutlich.
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BeitragVerfasst am: 16 Jul 2012 11:23    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe eine ganz dumme Frage: Wie trocknet man Brennnessel am besten? Ich habe noch nie Kräuter getrocknet, finde die Idee aber extrem spannend und dachte mir, ich könnte doch gut mit Brennnessel anfangen...
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Morgan
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BeitragVerfasst am: 16 Jul 2012 12:59    Titel: Antworten mit Zitat

Kräuter kannst du einfach trocknen, indem du etwa 5 Stiele davon zu einem Bündel zusammenfasst, sie mit etwas Bast oder Paketschnur zusammenbindest und dann kopfüber im Halbschatten trocknest.
Häng sie einfach bei dir im Wohnzimmer oder der Schlafkammer auf - an Türklinken, vor einem Nordfenster, an Regalen und Schränken... Badezimmer und Küche sind nicht geeignet, da ist es zu feucht.
Auch ein Schuppen, überdachter Balkon, Dachboden etc. sind als Trocknungsorte geeignet.
Wenn die Kräuter rascheltrocken sind, rebel sie grob ab und bewahre sie in Blechdosen oder Gläsern auf. Willst du die Gläser in einen Küchenschrank stellen, kannst du die so lassen, ansonsten spendierst du ihnen ein Mäntelchen aus Packpapier etc., damit nicht zuviel Licht dran kommt.

Wurzeln schneidest du in Stücke und ziehst sie auf Paketschnur, dann trocknen wie oben beschrieben. Oder bei 40°C im Ofen trocknen. Das dauert einige Stunden und du musst die Backofentür einen Spalt weit offen lassen.

Große Blätter und Blüten kannst du in dünner Schicht in Obstkästen aus Holz oder in Körben trocknen, dann lege eine Lage Küchenkrepp auf den Boden, damit Feuchtigkeit aufgesaugt wird.
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BeitragVerfasst am: 16 Jul 2012 13:17    Titel: Antworten mit Zitat

Ah, wunderbar, vielen Dank für die ausführliche Antwort!
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Merin
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BeitragVerfasst am: 23 Jul 2012 9:27    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mach es genau so, rebel aber erst vor dem Gebrauch ab und pack die Sträuße vorher in Papiertüten. Brennnesseln pieken übrigends getrocknet immer noch, also Vorsicht...
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BeitragVerfasst am: 23 Jul 2012 9:31    Titel: Antworten mit Zitat

Danke, das wusste ich nicht!
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