Preisgestaltung
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Merin
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BeitragVerfasst am: 04 Jul 2011 13:44    Titel: Preisgestaltung Antworten mit Zitat

Ich habe in letzter Zeit darüber nachgedacht, wie eigentlich Preise zustande kommen. Es heißt ja immer, das sei so eine Sache von Angebot und Nachfrage und ich habe das auch immer so hingenommen. Vor zwei Wochen fiel mir plötzlich auf, dass es (so meine wagemutige Hypothese) ein Grundübel des Kapitalismus ist, dass Preise quasi völlig frei gestaltet werden können. Man kann durch Quer- oder Direktsubvention, durch Ausbeutung und schlechte Qualitä talles beliebig billig machen, andersrum kann durch Werbung, Monopolismus und Preistreiberei alles beleibig teuer werden. Mieten sind da ein super Beispiel.
Eigentlich ist ja völlig klar, wie viel was kostet: Material + Herstellungskosten (Löhne, Energie, Miete usw aber auch ökologische Kosten) + Transport + Verkaufsprovision + Rücklage für schlechte Zeiten. Mit Mieten ist es ähnlich. Wenn Preise so bestimmt wären, würde jeder Arbeiter angemessen bezahlt, Werbung würde weniger Sinn machen und die Preise wären realistisch. Dumm ist nur, dass die Herstellung von Dingen so wenig transparent ist, dass ich kaum je mal einschätzen kann, ob der Preis angemessen ist oder nicht.
Was meint Ihr?
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BeitragVerfasst am: 05 Jul 2011 13:30    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke das ein Zustand des alles kostet was es wert ist leider immer eine Utopie bleiben wird. Sad
Der Mensch verdient einfach zu gerne und häuft gerne Reichtum an - egal wie.
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Merin
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BeitragVerfasst am: 07 Jul 2011 10:48    Titel: Antworten mit Zitat

Ich weiß nicht, ob das eher Erziehungssache ist als menschgegeben....
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BeitragVerfasst am: 12 Jul 2011 12:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hm, vielleicht teilweise. Aber ich denke schon der Ursprung dafür liegt tiefer.
Wenn man mal so die Menschliche Entwicklungsgeschichte betrachtet.
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Ruth
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BeitragVerfasst am: 13 Jul 2011 21:13    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe auch oft das Gefühl, dass Preise nicht den tatsächlichen Wert wiedergeben. Nicht nur wenn sie zu hoch sind, sondern auch, wenn sie zu niedrig sind. Als Entscheidungshilfe rechne ich mir oft den Preis in die Zeit um, die ich für den Kauf arbeiten gehen müsste. Bin ich bereit für ein Glas Honig so und so lange zu arbeiten?
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BeitragVerfasst am: 13 Jul 2011 21:42    Titel: Antworten mit Zitat

Bei dem Beispiel mit dem Glas Honig muss man aber denke ich zwei Punkte gegeneinander aufrechnen.
zum einen, wie Du schon sagtest: "bin ich bereit so und so lange für das Glas Honig zu arbeiten".
Zum anderen muss ich denke ich berücksichtigen: "was für eine Arbeitszeit und welcher Arbeitsaufwand benötige ich um ein Glas Honig herzustellen".
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Ruth
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BeitragVerfasst am: 14 Jul 2011 6:11    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, du setzt voraus, dass ich so wenig wie möglich für ein Glas Honig zahlen möchte. Dem ist nicht so. Es geht ja auch andersrum. Wenn ich z.B. sehe, dass ich für einen Toaster, nur mal angenommen, zwei Stunden arbeiten muss. Da kann für mich was nicht stimmen. Da habe ich das Gefühl, den richtigen Preis für das Teil bezahlt wer anderes. Entweder ausgebeutete Menschen oder die Umwelt oder meistens beide zusammen.
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Zaunrübe
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BeitragVerfasst am: 14 Jul 2011 9:23    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, das stimmt so dann natürlich schon.

Aber es gibt glaube ich auch einmal die Billig Produktion, bei der Mensch und Umwelt ausgebeutet werden.

Umgekehrt aber gibt es ja auch sogenannte Luxusproduktion, wo man einen eindeutigen "haben will Preis" zahlt der weit über den Produktionskosten liegt. Mensch und Umwelt aber trotzdem ausgebeutet werden.

Dann gibt es noch das was ich jetzt mal unter fair produzierten Waren einsortieren würde.

Also alles schon recht schwierig, gerade da man über die Herstellung, den Transport usw. unserer Heutigen Waren fast keinen Überblick mehr hat. Ich denke dieser Transparenzverlust verschlimmert viel an der Situation. Da der Mensch dann gerne mal nach dem Motto "was ich nicht weis, macht mich nicht heiss" handelt.
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Merin
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BeitragVerfasst am: 30 Jul 2011 14:27    Titel: Antworten mit Zitat

ja das glaube ich auch. Mangelnde Trabnsparenz macht es dann schwerer das zu kaufen, was man ethisch vertretbar findet und wirklich haben will. Im Urlaub habe ich gerade auch wieder bemerkt, dass selbst in riesigen Supermärkten bei Lebensmitteln das höhere Preissegment fast gänzlich fehlt. Es war unmöglich ein hochwertiges Olivenöl zu kaufen, in bio gab es nur eins und das war leider nicht besonders gut. Hier in Berlin weiß ich wo es gibt, was ich haben will, zumindest im Lebensmittelbereich. Und ich sehe wieder, wie gut meine Bioladnerin Produkte auswählt.
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BeitragVerfasst am: 15 Sep 2011 17:56    Titel: Antworten mit Zitat

Kommt zu dem angemessenen oder unangemessenen Preis nicht noch etwas hinzu: naemlich wie viel es mir persoenlich wert ist?
Ich hatte das schon ein par mal auf Flohmaerkten, wo ein Verkaeufer verzweifelt versuchte mich vom Preis zu ueberzeugen: :aber neu hat das soundsoviel gekostet (usw). Meine Antwort ist dann manchmal "ich finde den Preis absolut angemessen, sonst wuerde ich versuchen sie herunter zu handeln. aber mir persoenlich ist der Gegenstand im Moment so viel Geld nicht wert, da ich ihn nicht wirklich brauche."

Wenn ich Heisshunger, aber nur 2 Euro habe, dann ist mir das BioBrot fuer 2 Euro den Preis grade nicht wert - mir fehlt dann naemlich der Belag. Da greife ich dann ehr zum unbio-backwerk, wo ich fuer 2 euro mehr bekomme. (ist nen dummes Beispiel, nur zum verdeutlichen)

Wenn ich dagegen weiss, dass die guten Aepfel aus dem alten Land nur X Euro "Wert sind", der Verkaeufer aber doppelt so viel haben will - dann muss mein Apfelappetit entscheiden, ob mir die guten Aepfel den Aufpreis wert sind.

Oder? Confused
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Merin
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BeitragVerfasst am: 16 Sep 2011 14:45    Titel: Antworten mit Zitat

Das finde ich genau den Kern dessen, was ich schwierig finde. Weil dann kan ein Apfel an einem Tag und für eine Person 20ct kosten und am nächsten Tag für jemand anderes 10¤. Jemand könnte Hunger und Mangel schamlos ausnutzen, und sagen "tja aktuell ist das eben so viel wert". Das finde ich nicht fair.
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BeitragVerfasst am: 14 Okt 2011 19:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hm, ich weiss, was du meinst, Merin.
Ich habe das tatsaechlich nicht auf den Verkaeufer, sondern mich als Kaeufer bezogen. Einen Tag ist mit der Bioapfel das Geld wert, einen anderen tuts auch nen normaler, weil ich den Preisunterschied noch brauche, um mir nen Busticket nach Hause zu kaufen. (Dummer Vergleich, ich weiss.)

Was du beschreibst, ist ja das Problem am Monopolismus und letztendlich auch "Angebot und Nachfrage". Klar, wenn viele Leute Hunger haben (Nachfrage) und nur wenige Aepfel da sind (Angebot), kann der Verkaeufer die Preise lustig anheben - die leute muessen ja. Wenn er auch noch der einzige ist, der Aepfel hat (Monopol), dann werden wir fuer unseren Apfel unendlich viel zahlen muessen.

Ich haette vielleicht ein Beispiel waehlen sollen, in dem es nicht um ein Basisbeduerfnis des Menschen geht, wie beim Essen. Da greift dann wieder das Beispiel vom Flohmarkt: die Jacke ist huebsch, aber mir (die ich nur 10 Euro dabei habe) keine 5 Euro wert - auch wenn sie an sich das Geld sicher wert waere. Der Preis ist also nicht uebertrieben, sondern nur mir zu hoch.

Denn letztendlich, auch wenn wir es wollten - wenn sie mit unserem Grundbeduerfnis (Essen) spielen, haben wir nicht viel Wahl. Friss Vogel, oder stirb. Die Preisgestaltung, auf die wir Einfluss nehmen koennen, ist nur die, wo wir auf die Produkte verzichten koennen - oder wo es genug Auswahl gibt, um einige Verkaeufer zu meiden, und andere zu foerdern.
Oder?

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BeitragVerfasst am: 16 Okt 2011 15:47    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, das stimmt schon. Gerade mit dem Verzicht spielt da aber wieder ganz viel mit hinein: Wie viel andere haben, was uns suggeriert wird, was wir haben müssten usw.
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BeitragVerfasst am: 04 Jun 2012 17:34    Titel: Antworten mit Zitat

Fair wäre für mich ein Preis, wenn sich der, der einen Artikel produziert, diesen Artikel von seinem Verdienst auch leisten könnte.
Ein Bauer, der seine Äpfel ab Hof für 3 oder 4 Euro das Kilo verkauft, kann sich seine eigenen Äpfel sicher leisten - anders sieht das bei den Leuten aus, die für Pfenniglohn T-Shirts im Akkord zusammennähen müssen und nicht einmal die 10 Euro übrighaben, sich das T-Shirt, das sie selbst genäht haben, auch zu kaufen.
Meiner Meinung nach wird es immer Luxusartikel geben und Leute, die sich diesen Luxus leisten können - oder eben nicht.
das ist auch völlig in Ordnung, solange es sich um Waren oder Dienstleistungen handelt, auf die man nicht unbedingt angewiesen ist.
Wenn ein Rockstar meint, er müsse 150 Euro Eintritt für ein Konzert nehmen, dann ist das in Ordnung. Es wird keiner verhungern und verdursten, weil er das Konzert nicht sehen kann.
Aber wenn Grundbedürfnisse nicht oder nur schlecht erfüllt werden, weil die entsprechenden Produkte (Mieten, medizinische versorgung, Schulbildung etc.) entweder unerschwinglich oder nur in schlechter Qualität zur Verfügung stehen, da setzt es bei mir aus.
Für Produkte und Dienstleistungen, die der Erfüllung von grundbedürfnissen dienen, sollte es Preisobergrenzen geben. Und Preisuntergrenzen, damit man nicht seinen Reibach über den massenhaften Verkauf von Billigware macht, die letztlich nur unter Ausbeutung von mensch, Tier und Umwelt erzeugt werden kann.
Genau hier liegt der hase mE im Pfeffer: Die Sachen sind heutzutage nicht zu teuer, sondern sie sind zu billig! Das bekommen gerade die Menschen zu spüren, die von staatlicher Zuwendung leben müssen. Denn ihre beihilfen bemessen sich nach dem so genannten "Warenkorb". Und je billiger die Produkte darin sind, umso weniger bekommt der mensch! Das wiederum führt dazu, dass immer mehr Billigwaren auf den markt kommen, die zu Hungerlöhnen (auch in Deutschland) von denen produziert werden, die gerade erst aus der staatlichen "Fürsorge" herausgekommen sind - sie haben nicht die Wahl, ein Arbeitsangebot abzulehnen, weil sie dort zu wenig verdienen - ist es weniger, als sie zum leben brauchen, können sie ja "aufstocken"!
So schafft sich der Staat seine Armen selbst, weil es viel zu viele Leute gibt, die an der Armut (hierzulande und anderswo) verdienen und somit überhaupt kein Interesse daran haben, die Armut zu verringern!
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Ehe du dich daran machst, die Welt zu retten, gehe erst drei Mal durch dein eigenes Haus (chin. Sprichwort)
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BeitragVerfasst am: 05 Jun 2012 16:36    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, das stimmt. Gerade die produzierte Armut macht mir immer wieder Sorgen und ich frage mich, warum so viele Menschen das hinnehmen bzw. mitmachen, es zu produzieren. Bin ich da zu idealistisch?
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