Rohkost - aus dem "Wer ist wer" nach hier verschob

 
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GeWil
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BeitragVerfasst am: 14 Dez 2012 7:55    Titel: Rohkost - aus dem "Wer ist wer" nach hier verschob Antworten mit Zitat

Hallo Forum,

die Umstellung ist meist von Blähungen begleitet, Rohkost erfordert eine etwas andere Darmflora, diese anderen Bakterien sind bei überwiegender Kochkost verhungert und müssen sich wieder neu bilden, bis das soweit ist werden einige pflanzliche Teile der aufgenommenen Nahrung nicht verdaut und bereiten diese bekannten Probleme.

In den vergangenen Jahrzehnten hat es die Werbung geschafft ein neues Ernährungsbewusstsein zu etablieren, geprägt von dem Wunsch den maximalen Geldumsatz pro Esser zu generieren.

Der überwiegende Anteil unserer Bevölkerung ernährt sich mittlerweile fast ausschließlich von verarbeiteten Lebensmittel, selbst gekocht oder als Fertiggerichte, Wurst, Käse, selbst Säfte und Haferflocken sind durch Hitze konserviert, was man durch Kochkost im überfluß erhält ist Kochsalz!

Die Rohkosternährung liegt Mengenmäßig weit unter der eines Kochköstlers schätzungsweise bei einem Drittel das erklärt sich aus der höheren Nähr und Vitalstoffdichte bei Rohkost wenn sie vertragen und nicht durch Durchfall vorzeitig ausgeschieden, ein regenerierter und gesunder Darm ist in der Lage die angebotene pflanzliche Nahrung optimal zu verwerten.

Eine weitere Fähigkeit des menschlichen Körpers wird in ihrer Genialität so nicht erkannt, die Zellteilung.
Herzmuskel und Nerven werden nicht erneuert, alle anderen Zellen mehr oder weniger oft, nun liegt es an jedem selbst mit welchen Stoffen er diese Regeneration unterstützt , es macht einen Unterschied ob man das aus Margarine, Nuss Nougat Cremes (Transfette), Käse, Wurst oder aus pflanzlichen kaltgepressten Ölen in Bioqualität vornimmt, mit etwas mehr Bewusstsein kann man seinen Körper ständig verbessern..

Viele Grüße
Gerhard
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Obsidian
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BeitragVerfasst am: 15 Dez 2012 19:24    Titel: Antworten mit Zitat

aha, der Rohkostthread
also ich war mal rohkostvegan, abe reben nicht lange, 4 Monate?Und musste aufhören, da ich zu stark abgemagert bin. Ne Weile dachte ich noch, das ist die Umstellung, wurde aber gernzwertig mit dem Gewicht.
Und dann fand ichs vom Prinzip her irgendwann schräg, möglichst viel Bananen und Avocado aus sonstwoher zu essen, damit man genug isst, das wiederspricht dann wiederum der Idee "regional". Und rohes Fleisch wäre für mich persönlich keine Alternative Shocked
Möglichst unverarbeitet zu essen, versuche ich zu erhalten oder wiederzuentdecken, wir kochen öfters eingeweichte Körner, z.B. Dinkel, Gerste oder Roggen eher kurz, dazu Kräuterquark und fertig. Ich koche die dann so lange, bis ich sie "essbar" finde. Oder esse ein bissle von allem roh, der Rest wird gekocht...
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Morgan
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BeitragVerfasst am: 16 Dez 2012 10:09    Titel: Antworten mit Zitat

Es gibt ja auch kein Naturvolk, das völlig rohköstlerisch oder gar rohkost-vegan lebt.
Das wäre ja auch ein ungeheurer Luxus, nicht alles zu essen, was sich essen lässt. Und manche Sachen muss man eben kochen, damit sie bekömmlich werden.
Manche Sachen muss man auch konservieren, damit man im Winter satt wird. Und grad im Winter kann man sich nicht von kaltem, getrocknetem und wieder eingeweichten Zeugs ernähren.
Das Feuer wird seit der Altsteinzeit von den menschen genutzt, auch zum Garen ihrer Nahrung und das lange, bevor sie selbst Feuer machen konnten.
Für mich also eine ganz natürliche Form der nahrungszubereitung, die allerdings nicht dauernd allen nahrungsmitteln zu Teil werden sollte. Rohkost hat zweifellos ebenfalls Vorteile, die man sich nicht vorenthalten sollte.
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GeWil
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BeitragVerfasst am: 16 Dez 2012 11:08    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Forum,

ja wir leben nicht mehr dort wo vor ungefähr 8 Millionen Jahren alles begann und wenn wir da noch wohnen würden wären auch die klimatischen Verhältnisse und somit das Nahrungsangebot völlig anders.

Hier zeigt sich einmal mehr die geniale Bauweise und Funktionalität unseres Organismus sich aus vielem (eine gewisse Zeit) erhalten zu können.

Trotz allem geht die Konstruktion auf pflanzliche unverarbeitete Nahrung zurück, wobei nicht ausgeschlossen wird, dass alles was in Greifnähe grabbelte mitgegessen wurde, gewaschen und geschält wurde ebenfalls nichts, denn die auf dieser Nahrung befindlichen Mikroorganismen sind von sehr großer Bedeutung für unsere Gesundheit, auch heute noch.

Konservieren kann man nur den Überfluss, und immer wieder zu behaupten, dass Feuer Entwicklungsmäßig eine Rolle gespielt hat ist zeitlich zu kurz gesprungen, und jeder der heute draußen unterwegs ist soll selbst mal schauen ob was gefunden wird was abends gekocht werden könnte.

Viele Grüße
Gerhard
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Morgan
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BeitragVerfasst am: 16 Dez 2012 16:05    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke mal, 8 Mio Jahre müssen wir gatr nicht zurückgehen.
Der heutige Mensch ist ja das letzte Mitglied einer einst recht artenreichen Familie und dass es unter denen Arten gegeben hat, die sich anders ernährt haben, als es unsere Art tat und tut, ist völlig verständlich. Das sehen wir zB bei den Affen: Der große Gorilla ist ein sanfter Vegetarier, viele andere Arten fressen Fleisch, wenn sie etwas bekommen können (und unter "Fleisch" subsummiere ich mal alle möglichen Krabbeltiere, Jungvögel aus dem Nest und Aas), während der Bonobo, die Affenart, die uns genetisch am Ähnlichsten ist, regelrechte jagdzüge auf andere Affenarten macht um sie zu töten und zu fressen.
Bei den anderen Menschenarten war es genauso.
Der heutige Mensch ist die letzte noch lebende Art - eigentlich sogar eine Unterart, Homo sapiens sapiens - und die gibt es noch gar nicht so lange.
Es muss uns also nicht interessieren, was Homo erectus, Homo habilis oder Homo neandertalensis gegessen haben.

Und Homo sapiens hat immer schon Fleisch gegessen (auch hier subsummiert das, was ich oben sagte, aber eben auch größeres Wild) und er hat seine Nahrung auch immer schon, gelegentlich jedenfalls, gegart.
Genauso machen es alle indigenen Völker, die noch ohne Supermarkt, Einbauküche und Pizzaservice auskommen müssen. Und ob sie überwiegend pflanzliche Nahrung zu sich nehmen (die dann ganz gut in den meisten Fällen roh bleiben kann) oder überwiegend Fleisch (welches teilweise roh, zum größten Teil aber gegart verzehrt wird) hängt davon ab, was sie finden. Kein Inuit verschmäht im tiefsten Winter ein paar getrocknete Beerenaus dem Vorrat - die dann natürlich roh sind, ebensowenig aber verzichtet ein wandernder Buschmann, der 15 oder 20 km am Tag mit seiner Sippe durch die Steppe läuft und an Beeren, Samen und Wurzeln in sich hineinstopft, was er finden kann, darauf, ein paar Vögelchen zu fangen oder eine Eidechse zu erlegen, wenn es sich denn ergibt. Und diese seltene Köstlichkeit wird selbstverständlich abends am Feuer gebraten und mit den Genossen verzehrt.

Das übermäßige Be- und Verarbeiten von Lebensmitteln ist nicht gut, da gebe ich dir recht. Insbesondere, wenn Zusätze verwendet werden, die völlig neu für den Organismus sind (wie künstliche Farb- und Aromastoffe) oder die dazu verleiten, mehr und andere Nahrung aufzunehmen als man gerade braucht. Dies gilt va für die so genannten Geschmacksverstärker.

Dass beim Garen von Lebensmitteln ein teil der Viatmine zerstört und Enzyme deaktiviert werden, ist mir bekannt. Deshalb sollte auch keinesfalls alles gegart werden, schon gar nicht "totgekocht". Manch Lebensmittel sind aber meines Erachtens roh schlechter oder gar nicht bekömmlich. Das gilt insbesondere für Hülsenfrüchte, Kartoffeln und die meisten Pilze außer Champignons.
Getreide und die meisten stärkehaltigen Knollen und Wurzeln sollten ebenfalls gegart werden, weil die Stärke besser aufgenommen werden kann. Manche Getreidesorten eignen sich sehr gut zur Bereitung eines Frischkornbreis (bei Hafer und Weizen ist das zB gar kein Problem), andere Getreidesorten, von denen sich ein großteil der Menschheit ernährt, werden meines Wissens nicht roh verzehrt, etwa Mais und Reis. Zuckermais kann zwar ohne Weiteres roh verzehrt werden, dieser ist jedoch eine recht neue Sorte und trägt fast nichts zur Versorgung mit Kohlehydraten bei.
Fleisch, Fisch und Milch als hochwertige Eiweißträger können mit gewissen Einschränkungen zwar roh verzehrt werden, ratsam ist dies jedoch schon aus hygienischen Gründen nicht unbedingt.
Ja, ich habe einen Kühlschrank und eine Forellenzucht ist auch in der Nähe, ich müsste keine Angst haben vor "Forelle à la Sushi", aber das gilt für den Großteil der Menschheit ja nicht!

Was die Vorratshaltung angeht, muss ich dir ganz entschieden widersprechen.
Konserviert wurde eben NICHT, weil man so viel zu essen hatte, sondern weil man wusste, dass es Zeiten mit wenig oder ganz ohne Nahrung "von draußen" gab. Unbelastet von Ackerbau und Viehzucht, ohne ausgeklügelte Jagdmethoden und ohne Notwendigkeit der wie auch immer gearteten Konservierung konnte und kann sich nur ein Volk erhalten, das in immer gleicher Umgebung bei immer gleichbleibendem Nahrungsangebot umherstreift.

Es ist jetzt Winter und bis vor kurzem lag hier eine dicke Schneedecke, aber ich nehme dich einfach mal auf eine virtuelle Wanderung an einem schönen Frühherbsttag durch meine Heimat mit und zeige dir, was ich alles zu essen finde (die Felder der Bauern lass ich mal in Ruhe Wink ) und verrate dir auch, ob ich es kochen würde oder nicht.
Zunächst die Wurzeln der Wilden Möhre - kleine cremefarbene süßlich-würzig schmeckende Würzelchen, aber so trocken, dass man nach einer einzigen schon keine Lust mehr hat aufs Weiteressen. In einem Kessel Wasser gekocht, sind sie jedoch sehr gut essbar. In meinen Kessel wandern auch die Wurzeln der Nachtkerze und etliches an Giersch und Brennnesseln, die jetzt nicht mehr zart und wohlschmeckend sind wie im Frühling, aber immer noch gut gegessen werden können, wenn sie gegart sind. Außerdem finde ich Beifuß, der pur abscheulich schmeckt, aber meinem Süppchen Würze gibt.
Dennoch ist meine Speise noch etwas "mager" - ich hätte gerne noch etwas Fettiges und etwas mit Eiweiß.
Hätte ich die Erlaubnis zu jagen, wäre es mir ein leichtes, ein Reh oder einen Hasen oder auch einen von den fetten Reihern zu schießen, die es hier reichlich gibt. Diesen Braten gäb's dann so, wie es der Name sagt: gebraten. Wäre es nur ein mageres Vögelchen oder müssten viele Leute von dem einen Karnickel satt werden, wanderte es in den Topf zu meinen Wurzeln und Kräutern, damit möglichst viel ausgenutzt wird.
Aber ich darf ja nicht jagen, also pflücke ich mir ein paar Nüsse, die ich roh esse. Die Samen der Brennnesseln streue ich mir über meinen Eintopf, mitkochen müssen die auch nicht. Sie sind knusprig und sehr gesund. Ein wunderbarer Zufall, dass ich heute im Wald auf etliche sehr eiweißreiche Parasolpilze gestoßen bin. Roh würden die mir wie ein Stein im Magen liegen, aber gegart sind sie ein genuss und werten mein fleischloses Süppchen ordentlich auf.
Ein paar Brombeeren sind auch rasch gepflückt, roh essbar und wandern gleich in den Mund. Die dicken Trauben voll Holunderbeeren müssen jedoch gekocht werden, bevor ich sie essen kann, sonst gibts ein böses Darmgrimmen. Es sind sogar schon ein paar Esskastanien reif, die röste ich mir über der Glut.
Satt bin ich jetzt, aber auch durstig - eine Tasse Tee könnte nicht schaden. Ich pflücke also noch ein wenig Kamille, Minze und andere Kräuter und mach mir ein feines Teechen.
Und hätte ich mir jetzt tatsächlich einen Hasen gefangen, könnte ich den am nächsten Tag leider nicht mehr essen, ließe ich ihn roh.
Gebraten aber kann ich den Rest gut mitnehmen und muss den Rest der Woche meine Energie nicht bei der Jagd verschwenden. Ich hätte noch einen Tag zu essen und den Rest der Woche bräuchte ich kein Eiweiß mehr, da ich mir ja ordentlich was genehmigt habe.
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GeWil
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BeitragVerfasst am: 16 Dez 2012 17:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Morgan,

zwischen uns liegen zwar keine Welten aber Abgründe

Das ist nicht schlimm deshalb nur soviel: tierisches Eiweiß brauchen wir nicht, von den essentiellen AS brauchen wir nicht mal 1 Gramm täglich und das schafft man pflanzlich, wobei gegensätzlich diskutiert wird ob der Leistungsfähige Rohköstlerdarm „essentielle AS“ nicht doch aus „nicht essentiellen“ herstellen kann.

Getreide und andere Samen lässt man keimen das reicht um sich im Winter mit Grünzeug zu versorgen Wink

Es geht bei so einer Diskussion auch darum den Blick mal in eine andere Richtung zu lenken und dadurch den Werbeversprechen der Industrie mehr „Aufgeklärtheit“ entgegensetzen zu können.

Viele Grüße
Gerhard
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Morgan
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BeitragVerfasst am: 16 Dez 2012 19:07    Titel: Antworten mit Zitat

Man braucht kein tierisches Eiweiß, das ist richtig. (Man sollte dann aber die Äpfelchen nicht allzu gründlich waschen und nicht allzu genau hinschauen, ob das Kernhaus vielleicht einen klitzekleinen Untermieter hat ; )
Zu Keimlingen hab ich ja schon was gesagt.

Was ich gerne weiterverfolgen würde, ist gerade dieser "Blick in die andere Richtung".
Wenn man mit jemandem aus dem anderen Lager vernünftig diskutiert, wird sich immer der Blickwinkel weiten und man wird neues und Anderes, vielleicht sogar Besseres entdecken, als man zuvor kannte.

Werbeversprechen der Industrie: Gut, dass du das Thema ansprichst.
Da dürften wir bei aller Unterschiedlichkeit der Standpunkte ganz nahe beieinander sein.
Unsere Familie hat es mittlerweile mit wenigen Ausnahmen geschafft, auf hoch- und höchstverarbeitete Nahrungsmittel zu verzichten. Es gibt also nix mit Farb-, Konservierungs- und Aromastoffen, kein Carrageen in der Sahne, kein Vanilin in der Schokolade, kein Lecitin im Kakao undundund.
Mir geht es bei unserer Art der Ernährung weniger um unsere Gesundheit sondern viel mehr um die Frage: Bei welchem Ernährungsstil kann die weiter wachsende Weltbevölkerung sattgemacht und gesund ernährt werden? Und zwar unabhängig davon, wo die Menschen wohnen, wie wohlhabend sie sind und was sie traditionell essen! Und es geht auch um die Frage, inwieweit Produktionsbedingungen negative Folgen zeitigen.

Wenn wir weiterhin 30 - 40 Prozent des essbaren Anteils eines Schlachtrindes nicht essen, weil es für uns "bäh" ist, werden wir die Welt nicht ernähren können.
Wenn wir weiterhin nur das zarteste und magerste Fleisch, die am Neutralsten schmeckenden Fische, die makellosesten Paprikaschoten und schönsten Äpfel akzepieren und den Rest verschmähen, werden wir die Welt nicht ernähren können.
Wir schaffen es nicht, die Welt zu ernähren, wenn wir weiterhin Nahrungsmittel "pimpen", ihnen den Anschein geben, mehr zu sein als sie sind und dadurch verleitet werden, mehr zu essen, als uns guttut.
Aber wenn wir uns freiwillig einseitig ernähren, bestimmte Lebensmittel verschmähen, weil sie nicht in unser ideologisches Konzept passen, werden wir die Welt ebenfalls nicht ernähren können.
Kartoffeln und Bohnen kann man nicht roh essen - auf diese Nahrungsmittel aber gründen Millionen von Lateinamerikanern ihre Ernährung (und brauchen gerade deshalb so wenig Fleischkost, da Bohnen und Kartoffeln eiweiß- und energiereich sind). Wenn wir der Welt alle Nahrungsmittel nähmen, die roh nicht oder nur eingeschränkt zu essen sind (ich sagte glaub ich bereits, dass durch das Keimen ein Großteil des Stärkekörpers umgewandelt wird, da wird die Nährstoffbilanz natürlich eine ganz andere als vorher) hätten wir in der Tat ein Problem, alle satt zu kriegen.
Dass derzeit so viele Menschen hungern, ist ja nicht, weil es zu wenig Essen gibt, sondern weil wir durch unsere westlichen Ernährungsgewohnheiten viel zu viel Ressourcen verbrauchen. Auch die, die anderen Menschen in anderen Teilen der Welt zustehen.

Bei mir gilt halt auch in der Ernährung der Kant'sche Imperativ bzw. die Weiterverfolgung des Gedankens: Was würde passieren, wenn das ALLE täten?
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BeitragVerfasst am: 16 Dez 2012 20:00    Titel: Antworten mit Zitat

Spannender Austausch hier. Ich kann mir für mich auch nicht vorstellen, mich nur roh zu ernähren und es scheint mir auch global gesehen nicht sinnvoll, weil so vieles gar nicht essbar oder haltbar wäre. Gerade in wärmeren Regionen hält sich vieles gekocht einfach länger. Aber den Rohkostanteil in der Ernährung nach eigenem Gefühl er erhöhen - das fidne ich gut und für mich persönlich fühlt es sich gut an.
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GeWil
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BeitragVerfasst am: 16 Dez 2012 21:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Forum,

andere Länder hungern weil wir mit dem was dort angebaut wird unsere Tiere füttern, dabei entstehen Monokulturen auf denen Genveränderte Früchte wachsen, die Bauern erhalten vereinbarte Vergütungen das erscheint auf den ersten Blick reizvoll allerdings müssen sie jährlich neues Saatgut von den Konzernen kaufen.

Googelt mal nach: indische bauern begehen selbstmord

Es werden etwa pro Tag 16.000 kcal an Tiere verfüttert der tägliche Ertrag an Fleisch Milch Eier beträgt 1.700 kcal, die Hauptmenge der Nahrung brauchen die Tiere um sich selbst zu erhalten.

Ein arbeitender Mann braucht täglich ca. 3000 kcal.

Viele Grüße
Gerhard
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Morgan
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BeitragVerfasst am: 16 Dez 2012 22:08    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist was ich sagte.
Wir beanspruchen Ressourcen, die anderen Menschen zustehen.

Wenn man aber mal davon ausgeht, dass Rinder, aber auch Schafe und Ziegen, normalerweise eben KEIN Soja, keinen Mais und (als erwachsene Tiere) auch kein Molken- bzw. Milchpulver essen bzw. brauchen, sondern Gras, Rindenstöckchen, Blätter, kleine Zweiglein zu sich nehmen, sieht die Kiste schon anders aus.
Kein Mensch, auch der hartgesottenste und geübteste Rohköstler, vermag es, Gras, Stroh und Heu zu verdauen.
Rauhfutterfresser unter den Tieren können das aber. Sie werden davon langsamer dick, aber über den Umweg über diese Tiere schafft es der Mensch, pflanzliche, ihm nicht zur Verfügung stehende Energie in Nahrung zu verwandeln.
Für Gegenden, die nicht oder nur eingeschränkt für den Anbau von Pflanzen geeignet sind oder wo viele Menschen von vergleichsweise wenigen Feldern ernährt werden müssen, ist es sinnvoll, Weidetiere zu halten, um durch den moderaten Verzeh ihrer Milch und später ihres Fleisches die Nahrung zu ergänzen.
Fleisch ist energiedichter als viele pflanzliche Nahrung. Es ist auch reicher an bestimmten Nährstoffen als die meisten pflanzen, die roh gegessen werden können (gerade die sehr eiweißreichen Hülsenfrüchte und Pilze können ja eben NICHT roh gegessen werden). Ein Vegetarier oder gar Veganer muss seine Nahrung besonders sorgfältig zusammenstellen - was passiert, wenn man es nicht tut, sieht man wunderbar an Menschen, die in Gegenden oder unter Bedingungen leben müssen, die ihnen zwar eine ausreichende Menge an Kalorien zuteil werden lässt, diese aber fast ausschließlich aus stärkehaltigen Getreiden bestehen. Sie sind durch und durch Vegetarier, aber nicht gesund, sondern krank. Denen gäbe man auch lieber einmal die Woche einen Fitzel Fleisch oder Fisch auf ihren Maisbrei oder ihren Reis.

Bei einer naturgemäßen Ernährung für Tiere schaffen wir es natürlich nicht, jdem menschen jeden tag ein tellergroßes Schnitzel oder eine Hühnerbrust auf den Teller zu legen. Da brauchts dann vier Monate, bis das Huhn schlachtreif ist, neun, bis die Wutz ihr Schnitzel hergibt. Dementsprechend kann man dann nur gelegentlich Fleisch konsumieren.
Dinge an Tiere zu verfüttern, die dem Menschen als Nahrung gereichen, halte ich für zutiefst unmoralisch und weigere mich auch, solches Fleisch zu essen.
In meinen Augen ist das auch der wahre Grund, warum Juden und Muslime kein Schweinefleisch essen.

Über die indischen Bauern habe ich bereits mehrfach gehört und gelesen.
"Schuld" daran ist keineswegs ausschließlich unser Hunger nach Fleisch. Genmanipulierte Saaten, Monokulturen, abgeholzte Regenwälder und Pestizideinsatz findet man auch und vor allem bei Produkten, die nicht an die Tierfütterung gehen.
Jeder Vegetarier, der nicht genau draufschaut, woher sein Tofu kommt, jeder Veganer, der stolz drauf ist, mit einem Geschirrspülmittel auf Palmölbasis zu putzen, jeder, der sich ein T-Shirt aus normaler Produktion kauft, muss wissen, das daran Menschen- und Tierblut klebt.
Wenn wir im Frühjahr Trauben aus Indien und im Herbst Erdbeeren und Spargel aus peru kaufen, ist es ziemlich egal, ob wir das nun roh essen oder nicht. Der indische oder peruanische Bauer wird ackern wie der sprichwörtliche Gaul und abends eine Schüssel Reis oder Bohnen essen dürfen. Von den Köstlichkeiten, die er anbaut, wird er sich nichts leisten können.

Deswegen versuche ich möglichst regional und saisonal zu kaufen und zu essen (was mir immer besser gelingt). Zu meiner Lebensweise gehört auch, dass ich tatsächlich im Sommerhalbjahr losziehe und gucke, was ich in der Natur finden kann. Und möglichst wenig Reste zu machen. Schrumpelige Karotten und gelblichen Blumenkohl roh zu essen stelle ich mir nicht besonders lecker vor. In der Suppe munden sie aber noch ziemlich gut. Und lädscher Radicchio gibt immer noch eine gute Dreingabe fürs Risotto ab Wink
Wir können hierzulande vermutlich mit etwas Eingewöhnung und gutem Willen auch mit saisonalen und regionalen Produkten Rohköstler werden.
Anderswo können dies die Leute nicht, aus verschiedensten Gründen.
Eine Nahrung für alle muss so beschaffen sein, dass man weitgehend aus der eigenen Infrastruktur leben kann. Ganz auf Importe zu verzichten geht schon seit der Bronzezeit nicht mehr. Man darf nur nicht den anderen alles wegfressen.
Und eine solche Ernährung ist für mich eine Ernährung, die sich aus allen möglichen Nahrungsmittel speist - von allem etwas, aber eben wenig vom Seltenen Smile
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BeitragVerfasst am: 17 Dez 2012 21:05    Titel: Antworten mit Zitat

Für mich spielt auch die anthroposophische Sichtweise eine Rolle (auch wenn ich keine Antroposophin bin): Um eine regionale Kreislaufwirtschaft z.B. auf einem Hof zu ermöglichen, brauchen wir die Tiere. Sie essen, was auf dem Hof wächst und liefern dafür Dünger. Wird dies in angemessenem Stil betrieben kommen dabei Überschüsse heraus, die nicht nur die Bauern des Hofes ernähren. Eine solche Kreislaufwirtschaft ist meines Wissens ohne tierischen oder chemischen) Dünger nicht möglich.
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BeitragVerfasst am: 18 Dez 2012 7:58    Titel: Antworten mit Zitat

Bei uns im Bio-Laden nehme ich mir immer das "Demeter"-Journal mit und bin immer ganz erstaunt, wieviel mit einer solchen natürlichen anthroposophischen Landwirtschaft ohne chemischen Dünger und Pestizide erreicht werden kann.
Demeter-Bauern sind ja sogar verpflichtet, Tiere zu halten - aus den Gründen, die du nennst.
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