Was hindert uns eigentlich daran?
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JolandaRingelblume
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BeitragVerfasst am: 15 Nov 2006 20:38    Titel: Was hindert uns eigentlich daran? Antworten mit Zitat

Der Traum vom alternativen Leben. Viele hier träumen ihn auf die ein oder andere Weise.

Was hindert uns nun aber eigentlich daran, ihn zu leben?
Oder seid Ihr schon konkret dabei?

lg
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lalune
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BeitragVerfasst am: 16 Nov 2006 11:40    Titel: Antworten mit Zitat

Wie glaube ich an anderer Stelle in anderem Zusammenhang (Freiheit?) schonmal geschrieben meine ich ja, man hindert sich ausschließlich selbst daran.

Zum einen sind es sicherlich haufenweise Ängste. Angst um die Existenz (Was passiert denn, wenn ich meinen Job aufgebe z.B.), Angst vor Krankheit (Krankenversicherung z.B. ist dann nicht mehr drin finanziell wahrscheinlich), Angst vor dem Leben ohne die gewohnten Sicherheiten (ähnlich der Existenzangst - vorher wusste man heute, was morgen ist...)... usw...

Weitere Rolle spielt sicherlich das Verantwortungsgefühl Familie, Freunden und/oder Tieren gegenüber. Alternativ leben würde für mich auch bedeuten vieles, was mir lieb ist und wofür ich mich verantwortlich fühle (und es auch bin - in dem Fall speziell die Tiere), hinter mir zu lassen und das geht nicht, steht völlig außer Frage und damit bin ich auch schon beim nächsten Hinderungsgrund, der allerdings eigentlich keiner sein solle.

Das Geld. Leider ist es aber ein Grund, zumindest so lange es nicht nur um mich selbst sondern auch um andere Lebewesen geht, um die ich mich zu kümmern habe. Ich könnte es nicht verantworten, mit Tieren zu leben, ohne eine finanzielle Sicherheit für deren eventuelle Krankheitsfälle zu haben.

Ist natürlich alles eine Frage wie man das alternative Leben definiert - wo fängt es an? Es konsequent durchzuziehen würde für mich bedeuten Job aufgeben, entweder einmaliger Ortswechsel und dann z.B. in einer Hütte am/im Wald leben mit Gemüsegarten (Selbstversorger) oder häufiger Ortswechsel und Gelegenheitsjobs um das nötige Kleingeld zum Überleben zu haben.

Da das in meiner Lebenssituation aber unmöglich ist und ich auch nicht weiß, ob ich mich tatsächlich von diversen Sicherheiten und Menschen trennen möchte (selbst wenn die Tiere eines Tages mal nicht mehr bei mir sind), wähle ich zunächst einen Weg, von dem ich hoffe, dass er mich meinen Vorstellungen von einem alternativen Leben so nahe wie möglich bringt. Ich verändere mich beruflich in eine naturheilkundliche Richtung, weil ich mir davon mehr Erfüllung verspreche und plane eine Selbstständigkeit. Zuversichtlich glaube ich mal, dass das klappt und dann kann ich - so hoffe ich - mir mein alternatives Leben in einer schnuckeligen Hütte am Waldrand (oder im alten restaurierten Bauernhof) , bestenfalls mit meinen Tieren, ermöglichen, mit einem Job, den ich sinnvoll finde und einem Gemüsegarten und Obstbäumen... usw... Ist nicht komplett losgelöst von der Gesellschaft, daher nur in Maßen alternativ, aber mir würds erst einmal reichen Wink
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Merin
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BeitragVerfasst am: 16 Nov 2006 11:55    Titel: Antworten mit Zitat

Nun ich glaube, um diese Frage zu beantworten müsste erstmal klar sein, was alternatives Leben für jedeN hier bedeutet.
Für mich heißt es. Aus dem Kapitalismsu aussteigen, dieses sch... System nicht mehr mittragen. Und in (nicht familialer) Gemeinschaft leben.

Wieso ich es nicht mache? Ich weiß nicht wirklich, wie es gehen könnte. Und habe Angst und bin bequem. Und hoffe immer noch, dass sich das alles mal ändert.
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vaeltaja
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BeitragVerfasst am: 16 Nov 2006 18:00    Titel: Antworten mit Zitat

Das wesentliche Problem (neben Angst vor dem Unbekannten) ist meiner Meinung nach die einfache Sache, dass "alternativ Leben" - was auch immer das für den einzelnen bedeutet - Luxus ist. Luxus, weil man es sich erstmal leisten können muss: Klar, wär toll son Selbstversorgerleben, aber was das an Startkapital kostst ! Und: Wenn man ein Selbstversorgerleben (oder einen anderen alternativen Lebensstil) mit dem Geld startet, das man aus dem unliebsamen System geschöpft hat, finde ich das widersprüchlich, weil dann am Anfang des Aussteigens der Kniefall vor dem System steht.
Leider gehts wohl meistens nicht anders....
















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Minara
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BeitragVerfasst am: 16 Nov 2006 22:02    Titel: Antworten mit Zitat

Genau das ist der Punkt. Nicht jeder kann ausziehen und sich seinen kleinen Hof gründen, ein Gärtchen bestellen und das kapitalistische Leben hinter sich lassen.

Mal angenommen, (nur mal angedacht) 80 000 000 Menschen wollten das, weil es viiiel schöner ist als das Leben, welches sie gerade führen; das ist überhaupt nicht praktikabel!

Heute lebt man ja schon revolutionär, wenn man seine Kinder zur Waldorfschule bringt, weil man davon überzeugt ist, dass eine Erziehung nach anthroposophischer Lehre besser ist,

wenn man sich biologisch-dynamisch ernährt, weil man das vorherrschende System in diesem Sinne nicht unterstützen will und sich eine Arbeit sucht, die mehr "brotlose Kunst" ist, als bürokratisch, weil man vor hat, in Frieden sein Leben zu verbringen und sich nicht für etwas kaputt machen will, das man eh nicht unterstützt....

edit: und ich finde, das ist schon ganz schön gut Very Happy
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vaeltaja
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BeitragVerfasst am: 16 Nov 2006 22:31    Titel: Antworten mit Zitat

Minara hat Folgendes geschrieben:

Mal angenommen, (nur mal angedacht) 80 000 000 Menschen wollten das, weil es viiiel schöner ist als das Leben, welches sie gerade führen; das ist überhaupt nicht praktikabel!


Tja, genau deswegen bin ich der Meinung, dass es nicht reicht, einfach "nur" anders zu leben, aber dabei zu versuchen, den Lebensstandard und die Komplexität aufrechtzuerhalten. Soll heissen: Mit so vielen Menschen gehts einfach nicht, solche Utopien sind nicht für alle machbar. Das sehe ich auch als Hinweis, dass es nicht nur wegen finanzieller Aspekte, sondern auch wegen der Praktikabilität Luxus ist, Auszusteigen.

Minara hat Folgendes geschrieben:

Heute lebt man ja schon revolutionär, wenn man seine Kinder zur Waldorfschule bringt, weil man davon überzeugt ist, dass eine Erziehung nach anthroposophischer Lehre besser ist,


Hm, wer meint, dass Anthros besser sind.... Aber das ist wieder ne andere Diskussion. Leider gibts auch Leute, die es für mords revolutionär halten, bei rot über die Fußgängerampel zu gehen.

Naja, ich finde Graswurzel-Ansätze ohnehin sympatischer (sofern sie, je nach Situation, Dringlichkeit und Ziel machbar sind) als radikale Umbrüche,denn: Ökologisches Leben heisst für mich auch Nachhaltigkeit, und in radikalen Umbrüchen (so verlockend es ja wirklich auch ist) erkenne ich für meinen Teil genau das Gegenteil von auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Vorgehen - und somit ist Essig mit der gute Idee von der "Anwesenheit der Ziele in den Mitteln".

Radikale Umbrüche entspringen meiner Meinung nach eben aus unserem heutigem System und unserer Denkweise, denn mit radikalen Umbrüchen will man sozusagen alles, und zwar sofort.

Dann lieber Graswurzelrevolution und "Anwesenheit der Ziele in den Mitteln". Die Geduld muss man denke ich aufbringen - mit einem Lächeln auf dem Gesicht.


EDIT: Da ist Gandhi finde ich sehr empfehlenswert und auch sehr schön zu lesen, Satyagraha und so



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Merin
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BeitragVerfasst am: 16 Nov 2006 23:29    Titel: Antworten mit Zitat

Erstmal Willkommen Minara!

Und ja. Vaeltaja, da hast du auch einen wichtigen Gedanken, der ja auch Minaras ist: Dass Aussteigen im klassischen Sinne nicht für jeden geht. Deshalb werfe ich hier im Forum auch die Frage des "kleinen Ausstiegs" auf. Jenseits von ganz oder gar nicht gibt es ja noch Zwischenlösungen. Aber welche? Und wie die leben?
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vaeltaja
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BeitragVerfasst am: 17 Nov 2006 0:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hei !

Merin hat Folgendes geschrieben:

Und ja. Vaeltaja, da hast du auch einen wichtigen Gedanken, der ja auch Minaras ist


Witzig: Irgendwie merkt man Dir Deinen Beruf schon ein bisschen an find ich. Ist natürlich nicht böse gemeint !

Merin hat Folgendes geschrieben:

Dass Aussteigen im klassischen Sinne nicht für jeden geht. Deshalb werfe ich hier im Forum auch die Frage des "kleinen Ausstiegs" auf. Jenseits von ganz oder gar nicht gibt es ja noch Zwischenlösungen. Aber welche? Und wie die leben?


Ich hol mal weit aus:

Ich für meinen Teil hab mir meinen Lebensentwurf und meine (zugegebnermaßen sehr rationale aber dennoch religiös anmutende) Weltanschauung klargemacht und reflektiere sie immer wieder.

Teil dieser Weltanschauung ist z.B. das Streben nach Wachstum bei gleichzeitiger möglichst hoher Genügsamkeit (bzw. dem Streben danach). Mit Wachstum meine ich mehr das geistige Wachstum (inkl. Erfahrungen), nicht das materielle; deswegen sehe ich Wachstum und (materielle) Genügsamkeit nicht als Widerspruch, denn das Streben nach (materieller) Genügsamkeit befreit meiner Meinung nach den Geist und das Potential.
Das wichtige daran ist - und hier passt das Gesagte dann auch wieder ins Thema - dass es mir nicht um vermeindlich messbare erreichte Ziele geht was die Genügsamkeit und das Wachstum anbelangt, sondern, dass es um das Streben danach geht. Jeder hat einen anderen Ausgangspunkt, von dem aus er sich entwickelt - deswegen kann man denke ich schlecht nur nach dem Ergebnis urteilen, sondern muss vielmehr nach dem Streben danach und nach dem Bemühen schauen.
(Falls jemand Erich Fromms empfehlenswertes (!) Buch "Haben oder Sein" kennt: Ich habe für neben den Dimensionen "Haben" und "Sein" die Dimension "Werden" hinzugefügt, die ich als Erweiterung der Kategorie "Sein" sehe.)


Jemand, der schon "öko" aufgewachsen ist und auf diesem Stand stehen bleibt ist für mich nur halb so vorbildaft wie jemand, der erst später damit in Berührung kommt aber sich dann weiterentwickelt - Schritt für Schritt für Schritt.

Deswegen ist es für mich recht unwichtig, was konkret man erreicht hat und wo im Vergleich anderen stehen, solange man sich darum bemüht, sich weiterzuentwickeln, seine eigenen (!) Horizonte und Tellerränder zu überwinden.

Wenn ich z.B. nach Genügsamkeit strebe, gehört es für mich dazu, immer wieder zu reflektieren, was ich (an materiellen Gütern) wirklich brauche und was mich nur belastet.

"Diejenigen, die immer nur das Mögliche fordern, erreichen gar nichts. Diejenigen , die das Unmögliche fordern, erreichen wenigstens das Mögliche." (Bakunin)

In diesem Sinne !




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Minara
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BeitragVerfasst am: 17 Nov 2006 1:11    Titel: Antworten mit Zitat

Danke Merin, ich hoffe, dass ich mich hier zurecht finde und meinen kleinen Beitrag leisten kann Rolling Eyes

Nur noch kurz: ich hoffe, du hast den leichten sarkasmus bei der verwendung des wortes "revolutionär" bemerkt, ansonsten sei hier nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen! Eine Bewertung bezüglich der "Anthros" (wie du sie nanntest) behalte ich mir hier vor, ich würde niemals Menschen anderen vorziehen oder als "besser" betiteln, jedoch Gesinnungen und Lehrmeinungen. Aber das geht hier wahrscheinlich eher ins Erbsengezähle über...

Ich stimme dir absolut zu, dass eine Entwicklung, sei sie im ganzen auch noch so positiv, niemals sprunghaft, sonders stetig vollzogen werden sollte.

Ebenso denke ich auch, was den jenigen, betrifft "der schon "öko" aufgewachsen ist und auf diesem Stand stehen bleibt, für mich nur halb so vorbildaft wie jemand ist, der erst später damit in Berührung kommt aber sich dann weiterentwickelt - Schritt für Schritt für Schritt."
Da man dieses ja nun beliebig übertragen kann und es bei jeder Entwicklung mit der man neu fertig werden muss eine Menge Mut dazu gehört!

Allerdings, und da widerspreche ich dir, sollte man nie das Ziel aus den Augen verlieren. Das Streben mag ja so manchem reichen, aber was nützt es, wenn wir dadurch nichts verwirklichen?

(Und um damit wieder zum Thema zu kommen Smile)

Selbstverständlich gibt es nicht nur schwarz und weiß, und es stecke jeder seine Messlatte bitte so hoch er mag/kann und zufrieden damit leben will bzw. es vor sich selbst zu rechtfertigen vermag.

Aber selbst wenn man sich kleine Ziele in seinem Leben steckt, sollte man doch daran arbeiten, diese umzusetzen und sich nicht nur mit dem vermeintlichen Streben danach zufrieden geben. Das ist meiner Meinung nach eine Art von Trägheit.
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vaeltaja
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BeitragVerfasst am: 17 Nov 2006 10:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hei !

Minara hat Folgendes geschrieben:

Allerdings, und da widerspreche ich dir, sollte man nie das Ziel aus den Augen verlieren. Das Streben mag ja so manchem reichen, aber was nützt es, wenn wir dadurch nichts verwirklichen?
(...)
Aber selbst wenn man sich kleine Ziele in seinem Leben steckt, sollte man doch daran arbeiten, diese umzusetzen und sich nicht nur mit dem vermeintlichen Streben danach zufrieden geben. Das ist meiner Meinung nach eine Art von Trägheit.


Klar, ich meinte auch nicht, dass es nur beim Streben bleiben soll - das Streben strebt ja immer auch einem Ziel bzw. einer Verwirklichung zu.

Ich meinte das so: was die Bewertung angeht, kann man nur schlecht danach urteilen, wo ein Mensch steht: Man muss auch sehen, wo er stand und welchen Weg er (schon) gegangen ist.



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Zuletzt bearbeitet von vaeltaja am 17 Nov 2006 16:38, insgesamt einmal bearbeitet
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JolandaRingelblume
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BeitragVerfasst am: 17 Nov 2006 12:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hui. Das ist ja gleich in eine richtige Wertediskussion ausgeartet...

Da ich mit dem Thema begonnen hab, geb ich hier mal noch meine zwei Cents dazu.
Meine Frage sollte nicht eine abwertende Meinung wiedergeben, gegenüber Menschen, die zwar gern alternativ leben würden, aber es aus irgend einem Grund nicht tun.

Mir ist nur aufgefallen, daß viele davon träumen.

Alternativ habe ich bewußt nicht definiert, da ja jeder da etwas anderes darunter versteht. Der Klassiker ist ja das Leben auf dem Land oder in einer Kommune, wie wir das ja hier schon einmal versucht haben zu skizzieren.

Gerade letzteres sollte in seiner gesellschaftlicheren Dimension mit einiger nicht allzu hoher Anstrengung machbar sein, oder? Ich hab ja nicht vom Aussteigen geredet.

Stellen wir uns vor: 10 Leute mit ähnlichen Ansichten, aber immer noch konventionellen Leben tun sich zusammen und mieten ein große Wohnung, züchten auf ihrem Balkon Tomaten und versuchen auf ihre Art und Weise, die Welt zu verbessern.

Für mich zählt zum alternativen Leben: Abschied von den Massenmedien, die mir suggerieren wollen, wie ich leben soll. Die Erkenntnis, daß es nicht viel Geld braucht, um glücklich zu sein. Die Erkenntnis, daß Arbeit nicht unbedingt heißt, nicht mehr für Familie und Freunde da sein zu können. Möglichst umweltgerechtes Wirtschaften und hin und wieder der Versuch, die Welt zu retten.

Von daher lebe ich alternativ, meistens jedenfalls. Mit ungeheuren Wachstumschancen in alle Richtungen. Im Moment hadere ich mit mir, ob ich die Arbeit, die mir in der Praxis am meisten Spaß macht, mit diesem Gewissen vereinbaren kann, da die Branche weder umweltgerecht, noch teilweise ethisch korrekt empfinde.

lg
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lalune
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BeitragVerfasst am: 17 Nov 2006 13:05    Titel: Antworten mit Zitat

Tja, es gibt wohl kaum einen schlimmeren Satz als "Bleib so wie Du bist!" Laughing Lieber sollte man sagen "Fürchte dich nicht vor der Veränderung, fürchte dich vor dem Stillstand" Wink

Die Frage nach einer Zwischenlösung finde ich auf der einen Seite ganz einfach: Die Sehnsucht nach dem Ausstieg geht ja mit einer Ablehnung des Systems einher. Was kann ich also tun? Ich muss versuchen, meine Einstellung im Rahmen meiner Möglichkeiten zu leben, was sich natürlich sehr individuell gestaltet und nicht immer befriedigend ist, wenn die Überzeugung von dem, was ich eigentlich als Richtig erachte, abweicht von dem, was sich letztendlich umsetzen lässt.

Und das ist die schwierige Sache der Zwischenlösung: Man befindet sich trotzdem noch in einer Art Abhängigkeit, die man doch eigentlich ablehnt und unterstützt immer noch, was man nicht unterstützenswert findet. Das sollte aber kein Grund zur Frustration sein, sondern eher eine Motivation, das Ausleben der eigenen Überzeugung zu optimieren.

Kommt es wirklich einmal zu einem kompletten Ausstieg, weil die Zwischenlösung vielleicht nur ein Übergang war, bleibt da natürlich noch der große Widerspruch mit dem Geld, was man ohne Zweifel für den Anfang brauchen wird, zumindest wenn man individuell aussteigen möchte... is schon ein bissi pervers... Aber c'est la vie, da sehe ich keine alternative Möglichkeit...

EDIT: Ui, da haben sich unsere Beiträge überschnitten (auch wenn nen halbe Stunde dazwischen liegt - ich hab gebummelt Embarassed)

Zitat:
Abschied von den Massenmedien, die mir suggerieren wollen, wie ich leben soll. Die Erkenntnis, daß es nicht viel Geld braucht, um glücklich zu sein. Die Erkenntnis, daß Arbeit nicht unbedingt heißt, nicht mehr für Familie und Freunde da sein zu können. Möglichst umweltgerechtes Wirtschaften und hin und wieder der Versuch, die Welt zu retten.

Das kann ich so unterschreiben, da muss eben jeder sein eigenes Maß finden. Wenns um mich persönlich geht würde ich noch ergänzen "vegetarisch leben und Bio einkaufen" Wink
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Merin
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BeitragVerfasst am: 17 Nov 2006 13:33    Titel: Antworten mit Zitat

Nun so ganz einig bin ich mir ja nicht. Einerseits suche ich nach meinem "Kleinen Ausstieg", andererseist habe ich Adorno im Ohr: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen". Ich fürchte immer wieder, dass ich letztlich doch immer nur das System stärke. Und entwickel zwischendrin immer mal wieder so eine Wut und Unzufriedenheit, weil ich Kapitalismus so sch... finde!

Dann bin ich ja auch nicht allein. Ich hab nen Partner und der müsste mitziehen. Und das tut er scheinabr nicht so ganz. Bislang hab ich mich deshalb nicht mal getraut zu Treffen der Wohnprojekte hinzugehen, die mich interessieren.

Woran ich auch immer wieder hadere ist am Geld: ich lebe mit wenig geld, auf Hartz IV-Niveau und bald sogar von Hartz IV. Und meist bin ich damit auch zufrieden. Aber eben nicht immer. Mir fehlt die Wertschätzung für mein tun, die gesellschaftliche Anerkennugn und immer mal wieder bin ich sauer, wenn die im Radio von "Eliteförderung" schwafeln und ich hier meinen Doktor mit Hartz IV Stipendium mache. Weil die elite sind doch so Leute wie ich! Hallo hie-ier. Und dann wieder: Kotz, Elite, ich bin ne rote Socke, was soll der Mist. Die meinen doch eh was anderes mit Elite als ich. Heraus kommt die Frage, welchen Platz in dieser Gesellschaft ich einnehmen will. Weil auch als Aussteigerin hab ich ja n Platz in der Gesellschaft. Ich kann sie ja nicht verlassen...

Was ich nu aber echt wissen will: Wo merkt man mir meinen Beruf an und wieso?
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vaeltaja
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BeitragVerfasst am: 17 Nov 2006 16:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hei !

Ich lebe auch ohne Fernseher und relativ ärmlich - aber das ich alternativ lebe würde ich niemals sagen, aus einem Grund: Wer glaubt, etwas zu sein hat aufgehört, etwas zu werden. Das würde für mich heissen, den status quo zu akzeptieren und nicht mehr auf ein höheres Ziel hinzuarbeiten (Horizonte und Tellerränder überschreiten, wie schon gesagt).
Und ich würde das niemals nur als "Zwischenlösung" sehen, weil das dem bis dahin Ereichten enorm an Wert nimmt, wenns doch "nur son Zwischending", also nichts Ganzes und nichts Halbes ist. Jeder Schrit ist - finde ich - ein Schritt, und jeder ist wertvoll.

Ich bin wie gesagt für einen langsamen, graswurzlerischen Prozess, nicht für einen radikalen Umbruch. Dafür kennt dieser Prozess dann auch kein Ende, kein endültiges Ziel.
Und wenn wir schon bei einer Wertediskussion waren: absolut gesetzte, binäre Denkweisen wie richtig und falsch (wg. dem Adorno-Zitat) - naja. Wer's braucht! Ist aber meiner Meinung nach viel zu einfach, auch im Bezug auf alternativ leben.

HartzIV ? Immer her damit, dann hab ich mehr Geld als jetzt Nee, mein Ansatz ist was materielle Güter angeht "Nicht wer wenig hat, sondern wer viel wünscht ist arm". Auch Zufriedenheit mit "einfachen" Dingen und mit einem (sogenannten) "ärmlichen Leben" gehören für mich zum einfachen Leben.

Merin hat Folgendes geschrieben:

Was ich nu aber echt wissen will: Wo merkt man mir meinen Beruf an und wieso?


Na, wegen der sehr diplomatisch-vermittelnden Aussage bzw. Formulierung:
Merin hat Folgendes geschrieben:

Und ja. Vaeltaja, da hast du auch einen wichtigen Gedanken, der ja auch Minaras ist

Und das ist ja wirklich nicht bös gemeint, eher anerkennend.



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Merin
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BeitragVerfasst am: 17 Nov 2006 16:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hoi da sagt jemand was Positives über ne Psychologin! Selten genug! *einrahmundandiewandhäng*

Zitat:
Wer glaubt, etwas zu sein hat aufgehört, etwas zu werden.


Aber das kann ich nicht unterschreiben. Ich kann doch alternativ leben und trotzdem versuchen das weiter auszubauen. Und darf mir durchaus mal auf die Schulter klopfen. Nicht?
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