Weihnachten im Schuhkarton
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Nenya
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BeitragVerfasst am: 25 Okt 2007 19:49    Titel: Antworten mit Zitat

Mahareth hat Folgendes geschrieben:
Davon mal ganz abgesehen: Auch in Deutschland gibt es Armut und Not! Wieso ist das "mitleid" (argh!) für die Menschen in Übersee immer größer, als für die Probleme hierzulande? Wie kommt das? Weil es denen noch schlechter geht? Bin ich ein besserer Mensch, wenn ich einem Hungernden aus Afrika etwas spende, als einem Hungernden aus Köln? *grübel


Wie oben schon geschrieben mag das bei vielen so sein und das ist natürlich traurig, aber ich denke das Menschen de sich überhaupt auf egal welche Weise engagieren es auch in diesem Land tun.
Es ist doch anmaßend zu denken Leute die sich an dieser Aktion beteiligen tun nur dies und sonst nix anderes.
Das solche Aktionen an Weihnachten besonders viel Zulauf finden, finde ich allerdings zwar auch schade aber da ich ja weiß das nicht nur an Weihnachten soziales Verhalten gibt kann ich auch das verkraften.
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Merin
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BeitragVerfasst am: 25 Okt 2007 21:51    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, ich will auch gar keinem/r davon abhaten, bei dieser Aktion mitzumachen. Ich wollte nur ein bissel über die Hintergründe informieren. Wer dann sagt, dass die Aktion für ihn oder sie immer noch passt, soll seinen/ihren Karton packen. Für mich passt es halt nicht...
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JolandaRingelblume
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BeitragVerfasst am: 26 Okt 2007 9:07    Titel: Antworten mit Zitat

@Merin Das war missverständlich ausgedrückt. Ich gehe davon aus, daß die Initiative, einen christlichen Gottesdienst zu besuchen nicht oder eher in seltenen Fällen von den Kindern ausgeht.

Religion wird in vielen Ländern nicht so locker innerhalb der Familie geregelt wie vielleicht hier in den westeuropäischen Ländern. Glaube hat etwas mit Erziehung zu tun. Ich denke, dass die meisten Menschen, die in einem religiösen Kontext leben, den auch an ihre Kinder weitergeben und diese den in den meisten Fällen bis zu einem gewissen Alter oder auch lebenslang ohne Fragen übernehmen.

Beispiel: Meine Mutter hat mir schon als Kind eingeimpft, die Zeugen Jehovas wären schlecht. Das hat ihr ihre Großmutter so beigebracht. Ich selbst habe zwar später als Erwachsene mich nochmals mit den Zeugen Jehovas beschäftigt, teile aber die Skepsis meiner Altvorderen. Und in meiner Familie herrscht auf jeden Fall religiöse Toleranz.

Ergo. Ich gehe davon aus, daß die Weihnachten-im-Schuhkarton-Päckchen zu 90 Prozent an Kinder kommen, deren Umfeld christlich ist (womit ich ja persönlich sehr gut leben kann) und deren Familien eben zu Weihnachten in die Kirche gehen, aber leider aufgrund von Krisen oder generell großer Armut zu wenig Möglichkeiten haben, ihren Kindern zu Weihnachten ein Geschenk zu machen. Missionierung sozusagen derjenigen, die sowieso schon kommen, aber kein Druck- und Erpressungsmittel.

gr
Jol
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Ruth
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BeitragVerfasst am: 01 Nov 2009 20:28    Titel: Antworten mit Zitat

Bei uns gibt es von der Kirche eine Aktion, die nennt sich „Ein Pfund mehr“. Da kann jeder in der Vorweihnachtszeit Lebensmittel spenden. Die werden dann alle um den Altar gelegt und dann packen Ehrenamtliche gemischte Päckchen davon. Diese Päckchen werden dann an Haushalte verschenkt, für die ein Wohnberechtigungsschein notwendig ist. (Woher sie diese Info haben, keine Ahnung.) Ich hätte mal eure Meinung dazu gewusst. Mir selber macht die Sache ein ungutes Gefühl.
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Vlasta
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BeitragVerfasst am: 01 Nov 2009 21:03    Titel: WBS nicht nur für ganz Arme Antworten mit Zitat

Hm, zumindest vor 5-6 Jahren war ein Wohnberechtigungsschein an sich noch kein Zeichen für "wirkliche" Bedürftigkeit.

Ich als Studentin hatte einen beantragt und auch bekommen und lebte damals von der Unterstützung meiner Eltern. Der Schein war für die WG beim Studium. Die elterliche Unterstützung war nicht üppig (hab ja den Wohnberechtigungsschein bekommen), aber es braucht ja auch nicht viel zum Glücklichsein.
Ich weiß also nicht genau, zu welchen Bedingungen man den WBS heute bekommt (hatte vor 1 Jahr kurz daran gedacht, einen zu beantragen, fand dann aber die Formulare im Umfang einer kleinen Steuererklärung vor und habe mir lieber eine ganz billige Ofenheizungswohnung gesucht), aber ich würde sagen, als WBS-Inhaber braucht man nicht unbedingt Lebensmittelspenden.

Wenn es natürich ein Päckchen Lebensmittel nur von unserem Bioladen wäre oder nur leckere Transfairschokolade...

Soviel zum "Bedürftigkeitskriterum" - Mich überzeugt es nicht. Aber velleicht steckt noch mehr dahinter?
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LG,

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Merin
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BeitragVerfasst am: 01 Nov 2009 23:04    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde auch, dass ein WBS nichts über Bedürftigkeit aussagt, ich hatte auch mal einen. Hab aber dann eine preiswertere Wohnung ohne WBS gefunden. Besser fände ich es, die Pakete an Menschen, die dies ausdrücklich wollen, abzugeben. Oder an einem Tag so eine Art Umsonstladen in der Kirche aufzumachen.

Stell Dir mal vor, Du wohnst in einer Sozialwohnung (vielleicht ohne WBS und mit Fehlbelegungsabgabe weil Du zu viel Kohle hast) und bekommst dann so ein Paket. Freust Du Dich?
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Ruth
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BeitragVerfasst am: 02 Nov 2009 21:04    Titel: Antworten mit Zitat

Ne, darüber würde ich mich nicht freuen. Warum nicht? Weil es mir nicht zusteht oder auch weil mich andere ärmer einschätzen als ich bin? Ein Gefühl der Scham. Sich für Armut schämen?
Ich finde das ist ein heikles Thema. Bedürftigkeit und Lebensmittelspenden. Kein Geld spenden, sondern Lebensmittel. Z.B. dem Bettler kein Geld schenken, sondern ein belegtes Brötchen, damit er sich kein Alkohol kaufen kann. Oder ins o.a. Weihnachts-Päckchen keine guten Plätzchen geben, sondern Mehl, Zucker und Nüsse, damit die Mutter dann auch mit den Kindern Plätzchen backt. Oft werden hier Lebensmittel verschenkt, nicht weil der Bedürftige hungert, sondern damit man mit der Spende auch Einfluss auf das Verhalten anderer nehmen kann. Wenn das denn auch noch ungefragt passiert, dass macht doch kein gutes Gefühl. So richtig weiß ich es selber nicht. Mein Beitrag klingt auch ein bischen durcheinander. Aber ich hoffe ich komm ihm durch dieses Geschreibsel auf die Spur.
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Merin
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BeitragVerfasst am: 02 Nov 2009 22:29    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe die Frage auch gestellt, weil ich die Antwort selbst nicht so recht weiß. Beschenkt werden ist schön, aber wenn es nicht passt? Oder wenn es wie ein Almosen wirkt und meinen Stolz kränkt... Grad bei Lebensmitteln müsste es für mich schon vollwert und bio sein. Und das wird ja tendenziell eher nicht an "Bedürftige" verschenkt....

Mich erinnert das ein bissel an eine Situation 1990. Da sind wir aus Ost-Berlin nach Bayern gefahren, irgendwelche Leute besuchen, die meine Eltern bislang noch nicht persönlich kannten. Die holten irgendwann einen riesen Karton mit Kleidung raus, die eigentlich zum roten Kreuz sollte, aber sie könnten es uns ja auch direkt geben. Meine Eltern waren total gekränkt, meine Schwester und ich fanden es toll in den Sachen zu wühlen und uns rauszusuchen, was uns gefiel... Meien Eltern meinten dann, die Leute wären sauer gewesen, weil wir nicht alles genommen hatten. Übertragen auf das Päckchen: was, wenn jemand das weiße Mehl, das drin war in den Müll schmeißt, weil er nur Vollkorn isst? Ist das dann undankbar? (Erfährt ja eh keiner, aber nehmen wir an, man wüsste es doch?)
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BeitragVerfasst am: 03 Nov 2009 12:35    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist eine echt gute Frage. Beim Schenken und besonders auch beim Spenden, ist auf alle Fälle Empathie gefragt. Gut gemeint – schlecht gemacht. Das ist die Gefahr. Anstatt Freude ruft sie sonst Beschämung hervor. Ich glaube letztendlich kann sich da jeder nur auf sein Gefühl verlassen. Ich habe über dein Beispiel mit dem Mehl nachdenken müssen. Grundsätzlich mag ich es überhaupt nicht, Lebensmittel wegzuschmeißen. (Wobei hier die Frage erlaubt sei, ob Weißmehl ein Lebensmittel ist) Ich selber würde das Mehl nicht verwerten wollen. Soll ich es also an jemanden weiterschenken, von dem ich glaube, dass er so was benutzt? Obwohl ich es als gering schätze? Ich würde das Mehl entsorgen. Was ist mit dem Karton voll Klamotten? Wenn eure Bekannten die Kleidung gering schätzen, weil sie z.B. verschlissen, total unmodern oder so sind, dann würde ich es als Beleidigung empfinden, so was geschenkt zu bekommen. Wenn es aber Kleidung wäre, die z.B. einfach meinen eigenen Kindern von der Größe nicht mehr passt, die aber ansonsten top ist, dann würde ich das gerne annehmen wollen.
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Merin
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BeitragVerfasst am: 03 Nov 2009 15:50    Titel: Antworten mit Zitat

Es war abgelegte Kleidung, die noch tragbar war, die sie eben sonst in den Sammelcontainer gegeben hätten.
Weißmehl kann man zu Kinderknete verarbeiten Wink Oder jemandem schenken, dannwürde ich aber fragen, ob er oder sie es haben mag, weil ich es nicht brauche. Vorsichtig anfragen finde ich selbst nie beleidigend.
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Baumgeist
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BeitragVerfasst am: 08 Jan 2010 14:11    Titel: Antworten mit Zitat

Petra hat Folgendes geschrieben:
Hallo,
Nächstenliebe und Unterstützung ärmerer Menschen darf nicht an eine Missionsabsicht geknüpft sein. Das hat was erpresserisches (du kriegst nur Hilfe, wenn du dafür meinen Glauben übernimmst). Bei solchen Sachen kriege ich eine ordentliche Wut im Bauch. Wenn jemand Hilfe braucht, gebe ich sie ihm ohne eine Bedingung dranzuhängen.
Die Christen haben kein Monopol auf die Nächstenliebe. Für mich gibt es einfach "Nächstenliebe" oder "Hilfsbereitschaft" ohne religiöse Färbung, ohne damit verbundene Bedingungen etc.
Leider ist das oft anders und das macht mich traurig.

LG Petra


Ich bin mir durchaus bewusst, dass dieser Thread schon mehrere Jahre alt ist, hab aber dennoch was zu sagen:
Es ist nicht unbedingt Erpressung, eher eine Art Gehirnwäsche.
Du musst die Botschaft nur immer und immer wieder wiederholen, damit jemand sie glaubt. Oder: Guck mal meine Glaubensbrüder/ mein Gott kümmert sich um dich, während deiner.... Sad
Und das mit dem Feiertag einführen, haben die Christen/Kirchen ja früher schon mit uns gemacht.
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Merin
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BeitragVerfasst am: 11 Jan 2010 20:19    Titel: Antworten mit Zitat

ja, man könnte es so formulieren, dass einfach ein positiv besetzter Kontext geschaffen wird für die Missionsarbeit. Zwang ist es wohl eher indirekt, wenn überhaupt...
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