Zeit oder Geld?
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merlind
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BeitragVerfasst am: 01 Jan 2008 17:31    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe es geliebt zu arbeiten, oft 16 oder mehr Stunden am Tag, wo wirklich nur mehr Zeit zum Essen, Schlafen und der Körperhygiene blieb, bis dieser Unfall passierte. Dann der Klinikaufenthalt, wo ich lernen sollte, daß Nixtun ganz wunderbar ist. So ein Krampf. Ich kanns durchaus genießen, mal alle Flügel hängen zu lassen, aber meinem Naturell entspricht das nicht dauerhaft. Es muß sich schon was bewegen. Jetzt leider haben die Knochen mich gezwungen, den Tagesablauf nach ihnen zu gestalten. Ist jetzt auch in Ordnung so. Das war eben vorher mein Denkfahler: Ich wollte um jeden Preis und jetzt will ich (habe zu wollen), wie mein Körper es zuläßt. Dann eben jetzt so, wie mein Körper es zuläßt.

Merlind-Zwerg war entweder da dabei oder (falls es gefährlich wurde für Kleinkinder) bei meiner Mama. Geschadet hat ihm das nicht. Viel eher ist das Gegenteil der Fall. Ich halte nichts davon, sein Kind zu "betüteln", ich bin nicht die Privatanimation für meinen Ableger. So bin ich erzogen worden. Spieleabende etc. bei uns daheim, wo ich Kind war, konnte ich im Jahr an zehn Fingern abzählen, das waren dann ganz besondere Abende. Wenn das zwei-, dreimal im Monat vorgekommen wäre, hätte ich sie gar nicht so zu schätzen gewußt. Mit seinem Kind beschäftigen kann man sich auch während der Arbeit (oder Hausarbeit, Hobby,...).

Arbeiten tu ich gerne, aber ich suche mir auch aus, WAS ich mache. Seit meinem Erwachsenendasein bin ich selbständig und ich könnts mir auch gar nicht anders vorstellen. Wenn da jemand wäre, der sagt: "Du machst jetzt das und das und in einer Stunde komm ich wieder und kontrolliere das." - nein, nix für mich. Ich muß mich mit meiner Arbeit identifizieren können, wenigstens beim überwiegenden Teil davon. Aber dann ist es mir auch wurscht, ob ich eine 20-, 40- oder 90 Stunden-Woche habe. Hauptsache, gern tu ich es. Bei dem, was man gern tut und einen erfüllt, zählt man die Stunden nicht. Vielleicht habe ich in nächster Zukunft das Glück, das zu 10000% unterschreiben zu können und nicht nur zu 100%.
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Merin
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BeitragVerfasst am: 02 Jan 2008 13:18    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe ja die Theorie, dass es einen Grund gibt, wenn man so viel arbeitet. Dass man irgendwas betäuben muss, was in der Ruhe hochkäme. Bei mir ist das so. Ich kann Ruhe auch schwer aushalten, lerne es aber mehr und mehr, die Gefühle, die dann aufkommen auszuhalten und vor allem Ernst zu nehmen... da ich das Problem meiner Tochter nicht mitgeben mag möchte ich auch für sie ruhig sein, aber wesentlich auch für mich. Stillen ist da schon mal eine gute Sache...

Insofern glaube ich nicht, dass ich, wenn ich etwas gern tue. normalerweise über die Grenzen meines Körpers hinweg gehe. Pausen zu machen und mal alles sein lassen zu können ist für mich wertvoll. Auch wenn ich dafür eien Aktivität unterbreche, die mir Spaß macht. Umso schöner diese wieder zu beginnen...
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shajen
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BeitragVerfasst am: 08 Jan 2008 22:31    Titel: Antworten mit Zitat

hach ja, heikles thema...
bei mir hat sich das alles mit der geburt meiner tochter verändert. vorher war ich ein regelrechtes arbeitstier, schichten arbeiten gegangen und am liebsten noch`n nebenjob dazu- nicht mal unbedingt des geldes wegen, ich konnte nicht zur ruhe kommen. wenn nicht körperlich, so war ich geistig am rumrackern
und jetzt? niemals wäre ich auf die idee gekommen, mit nem halben oder einem jahr nach der geburt wieder voll arbeiten zu gehen! ich habe meine kleine im kiga angemeldet,da ist sie 2,5jahre...aber nach meiner wunschvorstellung mach ich mich ja eh selbständig und sie kann mit im cafe`sein, wenn sie mag Pfeiff (- da es ein still,-und familiencafe`werden soll,würde es ja passen) und sie wächst mit einer gut gelaunten mami auf, der arbeit sogar spaß macht Wink . ich finds toll, wie sich mein bezug zu arbeit und geld mit unserer tochter verändert hat und sich mir immer wieder die frage stellt: was will ich in diesem leben bewirken?
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Andreas
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BeitragVerfasst am: 08 Dez 2008 16:31    Titel: Antworten mit Zitat

Eine sehr interessante Diskussion. Ich glaube, dass die Form in der wir heute arbeiten, bald ausgedient hat. Ob dann ein Grundeinkommen kommt oder was auch immer, weiß ich nicht genau. Auf jeden Fall werden Arbeit und Lohn entkoppelt. Ich gehe sogar davon aus, dass das noch zu unseren Lebzeiten passieren wird. Die alternativen Strömungen sind derzeit einfach sehr stark.
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JolandaRingelblume
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BeitragVerfasst am: 10 Dez 2008 15:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Andreas,

dein Wort in dem Gehörgang aller höheren Mächte.
1984 hat Karl Popper einen Aufsatz darüber geschrieben, ob Arbeit und Lebensunterhalt in einer immer mehr industrialisierten Gesellschaft wirklich zusammen gehalten werden müssen. Der Aufsatz hieß: "Wird Arbeit immer weniger verfügbar?"

Nun, Popper war ein Visionär und sicherlich seiner Zeit voraus. Aber jetzt, fast 25 Jahre später, hat sich an den alten Umständen rein gar nichts geändert. Im Gegenteil: Du bist was du arbeitest ist die Devise. Und wenn du nix arbeitest, bist du nix wert. Schade. Weil in meinem Kopf und bestimmt auch in vielen anderen ist das nicht das Maß der Dinge.

lg
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Andreas
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BeitragVerfasst am: 11 Dez 2008 9:17    Titel: Antworten mit Zitat

JolandaRingelblume hat Folgendes geschrieben:
Nun, Popper war ein Visionär und sicherlich seiner Zeit voraus. Aber jetzt, fast 25 Jahre später, hat sich an den alten Umständen rein gar nichts geändert. Im Gegenteil: Du bist was du arbeitest ist die Devise. Und wenn du nix arbeitest, bist du nix wert. Schade. Weil in meinem Kopf und bestimmt auch in vielen anderen ist das nicht das Maß der Dinge.


Nun ja, die Unzufriedenheit darüber ist größer geworden. Das ist für mich ein ziemlich deutliches Zeichen dafür, dass eine Wandlung im Gange ist. Wie hat neulich so schön jemand gesagt: "Je größer die Spannung zwischen Vision und Zerstörung, desto deutlicher wird die Vision." Mit anderen Worten: Zusammenbrüche und Unzufriedenheit sind immer auch Teil der Heilung, zumindest ein sehr deutlicher Wegweiser.
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ilinga
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BeitragVerfasst am: 11 Dez 2008 20:44    Titel: Antworten mit Zitat

Andreas hat Folgendes geschrieben:
Mit anderen Worten: Zusammenbrüche und Unzufriedenheit sind immer auch Teil der Heilung, zumindest ein sehr deutlicher Wegweiser.

Weise Worte.
Die Unzufriedenheit rührt meines Erachtens nach auch daher, dass die Menschen heutzutage kaum noch Verwirklichung in einem Beruf finden oder anstreben können.
Immer kommt wer daher und ist der Meinung alles besser zu wissen. (siehe Werbung etc.)
Verdient man nicht "genug", ist der Beruf schlecht - egal wie gut er einem gefällt - und man sollte doch was anderes machen.
Oder er kommt aus der "Mode" und wird bald nicht mehr gebraucht. Heißt es jedenfalls, im Allgemeinen wird er dann aber einfach nur englisch umbenannt und ist auf einmal etwas komplett neues... *hust* jaja..
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Maren
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BeitragVerfasst am: 24 Jan 2009 10:48    Titel: Antworten mit Zitat

shajen hat Folgendes geschrieben:
hach ja, heikles thema...
bei mir hat sich das alles mit der geburt meiner tochter verändert. vorher war ich ein regelrechtes arbeitstier, schichten arbeiten gegangen und am liebsten noch`n nebenjob dazu- nicht mal unbedingt des geldes wegen, ich konnte nicht zur ruhe kommen. wenn nicht körperlich, so war ich geistig am rumrackern
und jetzt? niemals wäre ich auf die idee gekommen, mit nem halben oder einem jahr nach der geburt wieder voll arbeiten zu gehen! ...... . ich finds toll, wie sich mein bezug zu arbeit und geld mit unserer tochter verändert hat und sich mir immer wieder die frage stellt: was will ich in diesem leben bewirken?


Genau so geht es mir auch - hatte einen vollen und sehr "erfolgreichen" Job und noch nebenbei eine Firma und konnte mir nie vorstellen, nicht zu arbeiten. Aber seit die Maus da ist, bin ich hauptsächlich für sie da und nebenbei für meine Firma. Den vollen Job habe ich sofort aufgegeben. Konnte mir nicht vorstellen, sie irgendwo "abzulegen".

Übrigens denke ich, daß wir so unzufrieden und unausgefüllt sind, da wir zwar arbeiten, aber gar nichts mehr davon sehen, was wir so schaffen. Wir sehen das Endprodunkt nicht mehr, da wir nur noch ein winziges Rädchen in der ganzen Chause sind. Das Problem ist nicht die (viele) Arbeit, sondern das WIE der Arbeit. Dazu kommt, daß wir das meiste zugunsten der Technik aufgegeben haben. Und - wir sind immer mehr allein. Keine Großfamilie mehr, die viel auffängt. In der man auch Kraft bekommmen kann. Wir muckeln entweder ganz allein oder in kleinstem Kreis um uns rum. Und so verlernen wir auch den Umgang mit anderen Menschen....

Darum wohl die Sehnsucht der Menschen zu mehr Bodenständigkeit und Harmonie.

Ich denke dann immer an die Menschen früher. Im Frühling und Sommer wurde sehr viel gearbeitet - äußerst anstrengend aber nicht auch irgendwie erfüllend?. Im Herbst und Winter hatten die Menschen dann viel mehr Zeit für sich. Zeit füreinander und für alte Geschichten. Sicher hat das jetzt viel Verklärtes, aber keine "Chill-Out"-oder-sonstwie-genannte-Party kann die Sehnsucht nach Zwischenmenschlichkeit erfüllen. Im Gegenteil - wir vereinsamen immer mehr. Das zieht sich aus dem privaten Bereich bis in den Arbeitsbereich.

Wir sind erfolgreich und verdienen (mehr oder weniger) gut - aber wir werden immer ärmer........

LG Maren
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Yari
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BeitragVerfasst am: 27 Jan 2009 15:38    Titel: Antworten mit Zitat

Maren hat Folgendes geschrieben:

Ich denke dann immer an die Menschen früher. Im Frühling und Sommer wurde sehr viel gearbeitet - äußerst anstrengend aber nicht auch irgendwie erfüllend?. Im Herbst und Winter hatten die Menschen dann viel mehr Zeit für sich. Zeit füreinander und für alte Geschichten. Sicher hat das jetzt viel Verklärtes, aber keine "Chill-Out"-oder-sonstwie-genannte-Party kann die Sehnsucht nach Zwischenmenschlichkeit erfüllen. Im Gegenteil - wir vereinsamen immer mehr. Das zieht sich aus dem privaten Bereich bis in den Arbeitsbereich.

Wir sind erfolgreich und verdienen (mehr oder weniger) gut - aber wir werden immer ärmer........


Du sprichst mir aus der Seele. Früher gabs übrigens auch kein TV und keine Spielekonsolen, hinter die man sich - allein - zurückziehen konnte.

Ich bin auch der Meinung, dass unsere Welt heute nicht mehr unsere (psychischen) Grundbedürfnisse als Menschen erfüllt und wir deshlab vor einem Berg wachsender Probleme stehen. Auch wenn wir das nicht wahrhaben wollen und unsere Politiker Meistern im Schönreden sind ....
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Merin
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BeitragVerfasst am: 27 Jan 2009 16:31    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich bin auch der Meinung, dass unsere Welt heute nicht mehr unsere (psychischen) Grundbedürfnisse als Menschen erfüllt und wir deshlab vor einem Berg wachsender Probleme stehen. Auch wenn wir das nicht wahrhaben wollen und unsere Politiker Meistern im Schönreden sind ....


Mhm, aber was ist da Ursache und was Wirkung? Die Politiker zwingen uns ja nicht zur Vereinzelung. Ich glaube schon, dass viele (heutige) Probleme psychische Ursachen haben oder andersrum, dass Beziehungsunfähigkeiten zu Problemen verschiedenster Art und vor allem zu unglücklichen Menschen führen, nur kann man dafür anderen die Schuld geben?
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Yari
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BeitragVerfasst am: 27 Jan 2009 17:29    Titel: Antworten mit Zitat

Merin hat Folgendes geschrieben:
Mhm, aber was ist da Ursache und was Wirkung? Die Politiker zwingen uns ja nicht zur Vereinzelung.


Indirekt schon. Respektive unsere Wirtschaft: uneingeschränkte Mobilität, lange Arbeitszeiten, etc. etc. ... führen zu einer Abnahme von Bindungen. Wir sind eine bindungslose Gesellschaft. Wer das verursacht. Letztendlich wir selbst, denn wir sind ja die Gesellschaft. Das ist ein wenig wie die Frage mit der Henne und dem Ei ..... Das heißt aber auch, dass wir sie wieder ändern könnten. Was ich jetzt positiv finde

Zitat:
Ich glaube schon, dass viele (heutige) Probleme psychische Ursachen haben oder andersrum, dass Beziehungsunfähigkeiten zu Problemen verschiedenster Art und vor allem zu unglücklichen Menschen führen, nur kann man dafür anderen die Schuld geben?


Ich finde diese Schuldzuweisungen unproduktiv, weil sie zu nichts führen. Ich kann mir anschauen, was hat wozu geführt und dann vielleicht was ändern. Das wäre jetzt für mich aktiv Verantwortung für sich und die Gesellschaft, von der man schließlich Teil ist, zu übernehmen. Schuld heißt hingegen, jemand wollte schaden. Leider werden beide Begriffe in der Alltagssprache oft nicht getrennt.

Und zu den psychischen Ursachen: Auf eine super einfache und sehr verkürzte Formel gebracht,, gibt eine sichere Bindung zur Mutter (oder einer anderen Erstbezugsperson) dem Kind echtes, von Äußerlichkeiten unabhängiges Selbstbewusstsein, das wiederum resilient (widerstandsfähig) gegen die Unbilden des Lebens macht. Denn Schicksalsschläge treffen jeden.

Mangelndes Selbstbewusstsein hingegen findet sich bei allen psychischen Erkrankungen, explizit Bindungsstörungen bei allen Persönlichkeitsstörungen - die zu den schwersten psychischen Erkrankungen zählen - und zu den gefährlichsten: fast 100% aller Patienten in der Forensik haben eine Persönlichkeitsstörung.

Ist ein total spannendes Thema ...
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Gänseblümchen
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BeitragVerfasst am: 28 Jan 2009 21:45    Titel: Antworten mit Zitat

Yari hat Folgendes geschrieben:
Merin hat Folgendes geschrieben:
Mhm, aber was ist da Ursache und was Wirkung? Die Politiker zwingen uns ja nicht zur Vereinzelung.


Indirekt schon. Respektive unsere Wirtschaft: uneingeschränkte Mobilität, lange Arbeitszeiten, etc. etc. ... führen zu einer Abnahme von Bindungen. Wir sind eine bindungslose Gesellschaft. Wer das verursacht. Letztendlich wir selbst, denn wir sind ja die Gesellschaft. Das ist ein wenig wie die Frage mit der Henne und dem Ei ..... Das heißt aber auch, dass wir sie wieder ändern könnten. Was ich jetzt positiv finde



An die bindungslose Gesellschaft glaube ich nicht so richtig. Zumindest kann ich das in meinem Umfeld nicht bestätigen. Wer jetzt alleine vorm Computer sitzt, hat früher alleine ein Buch gelesen z.B.

Die gesamte neue Technik zwingt uns dazu, höhere Ansprüche an unser Leben zu stellen. Selbst wenn man sich anfangs dagegen wehrt, hat man dieses Teil, sowieso früher oder später doch. Ich spreche da z.B. von Fernseher, Handy, Navigeräten... Man ist ohne sie "altmodisch", oder die Alternative wurde so weit wie möglich abgeschafft. Alles wird digital..

Dadurch, denke ich, können wir uns nicht mehr auf unsere eigentlichen Grundbedürfnisse konzentrieren und uns wächst somit alles über den Kopf. Gleichzeitig wird das Durchführen der Grundbedürfnisse schwieriger, weil die Grundlagen sich ändern.

Die Frage nach Zeit oder Geld beantwortet sich für mich so, das ich ein für mich gesundes Mittelmaß finden muss. Ich gehe voll arbeiten, weil wir das Geld brauchen. Mein Mann geht 20 Stunden in der Woche arbeiten, weil wir noch einen Bauernhof (unser Hobby) zu Hause bewirtschaften.
Nach der Arbeit nehme ich mir für den oder das Zeit, was in meinen Augen mir am wichtigsten erscheint. Das ist entweder das Kind oder der Hof oder ich selbst. Der Haushalt wird meist in den Hintergrund geschoben. Ist nicht so das wichtigste für mich Cool .

Zusätzlich tausche ich den Fernseher abends gegen ein Buch oder gegen eine Zeitung ein, oder ich mache Sport.

Ach so, als Nachtrag. Solange man mit der eigenen Situation zufrieden ist, stellt sich die Frage nach Zeit oder Geld nicht. Sollte die Frage auftauchen, müssen Veränderungen den zufriedenen Zustand wiederherstellen?
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ilinga
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BeitragVerfasst am: 29 Jan 2009 11:17    Titel: Antworten mit Zitat

Gänseblümchen hat Folgendes geschrieben:
Die gesamte neue Technik zwingt uns dazu, höhere Ansprüche an unser Leben zu stellen. Selbst wenn man sich anfangs dagegen wehrt, hat man dieses Teil, sowieso früher oder später doch. Ich spreche da z.B. von Fernseher, Handy, Navigeräten... Man ist ohne sie "altmodisch", oder die Alternative wurde so weit wie möglich abgeschafft. Alles wird digital..

Uh, da kann ich nur zustimmen.
Ich habe mich oftmals schon aufgeregt, wenn man Support zu irgendetwas fast nur noch online erhält. Das ist besonders in solchen Momenten gut, wo man z.B. gerade das Internet installieren möchte, Probleme auftreten weswegen man nicht online kommt und die Support-Seiten oder FAQ sind nur online abrufbar. Sonst gibt es keinerlei Angabe zu Telefonnummern etc... Verzeihung für die Wortwahl, aber manche Firmen produzieren damit doch totalen, geistigen Dünnschiss

Bewerbungen werden heutzutage auch per Mail bevorzugt und wenn man keine Mailadresse oder einen Internetanschluss zur Verfügung hat, wird man angeschaut als sei man ein Neandertaler.
Als meine Mutter bei sich das Internet abbestellen wollte, weil sie es eh nicht nutzt, wurde sie angeschaut, als sei sie geisteskrank. Rolling Eyes

Es geht allmählich ein derartiger Druck von der Allgemeinheit aus, dass man an manchen Stellen einfach gezwungen wird mitzuziehen, oder man hat die A****karte.
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BeitragVerfasst am: 29 Jan 2009 15:00    Titel: Antworten mit Zitat

Anderssein ist immer unbequem und bietet mehr Nach- als Vorteile.

Ich sehe viele Vorteile in der "neuen" Technik, bzw. versuche die zu nutzen, die meiner Lebensart entsprechen.

Dazu gehört auch die Kräuterkommune.

Aber das ist jetzt wohl ein anderes Thema...

lg
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Yari
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BeitragVerfasst am: 29 Jan 2009 15:49    Titel: Antworten mit Zitat

Gänseblümchen hat Folgendes geschrieben:
Yari hat Folgendes geschrieben:
Merin hat Folgendes geschrieben:
Mhm, aber was ist da Ursache und was Wirkung? Die Politiker zwingen uns ja nicht zur Vereinzelung.


Indirekt schon. Respektive unsere Wirtschaft: uneingeschränkte Mobilität, lange Arbeitszeiten, etc. etc. ... führen zu einer Abnahme von Bindungen. Wir sind eine bindungslose Gesellschaft. Wer das verursacht. Letztendlich wir selbst, denn wir sind ja die Gesellschaft. Das ist ein wenig wie die Frage mit der Henne und dem Ei ..... Das heißt aber auch, dass wir sie wieder ändern könnten. Was ich jetzt positiv finde



An die bindungslose Gesellschaft glaube ich nicht so richtig. Zumindest kann ich das in meinem Umfeld nicht bestätigen. Wer jetzt alleine vorm Computer sitzt, hat früher alleine ein Buch gelesen z.B.


Nein, so meinte ich das nicht. Entschuldige, dass ich es nicht näher ausgeführt habe Embarassed

Ich meinte nicht Menschen, die sich ab und an zurückziehen. Das braucht jeder. Deswegen ist man aber nicht per se bindungslos, sondern man hat ja trotzdem Freunde, Kollegen, Familie, etc. ...

Bindungslos im Sinne der wissenschaftlichen Bindungstheorie (Bowlby, Grossmann u.a.) heißt u.a. auch, viele Menschen haben keine oder nur noch wenige - und die dann weit weg - qualitativ gute und andauernde Bindungen: Mütter gehen früh wieder arbeiten, Erzieherinnen und Lehrer wechseln zu oft, die Gruppen selbst sind nicht konstant, Kollegen und Arbeitsstellen wechseln zu häufig, Umzüge mit den damit verbundenen Beziehungsabbrüchen sind häufig, etc. etc. etc. ...... Manche Forscher sehen derzeit sogar Zusammenhänge mit der Persönlichkeitsstörung Borderline.

Andere Forscher sehen Zusammenhänge mit der gestiegenen Aggressivität der Kinder und Jugendlichen, mit den wachsenden psychischen Problemen, den Schulproblemen und vielem mehr.

Der Wunsch nach Bindung scheint ein existenzielles Bedürfnis des Menschen zu seien und wie bei allen existenziellen Bedürfnissen gilt wohl auch hier: Wenn es nicht befriedigt wird, kommt es früher oder später zu Schäden/Symptomen.
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